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Bald mit 140 km/h durch Vorarlberg?

Stefanie Rohner, 8. Februar 2018, 06:24 Uhr
Darf auf österreichischen Autobahnen bald 140 km/h gefahren werden?
© Symbolbild: iStock
Ist es bald erlaubt, mit 140 km/h auf Vorarlberger Autobahnen zu brettern? Dies wird derzeit diskutiert, da der Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) das Tempolimit erhöhen möchte.

Zehn Kilometer pro Stunde schneller unterwegs auf der Autobahn in Österreich: Dies möchte Norbert Hofer unter anderem im Strassenverkehr ändern. Ein konkretes Konzept liegt derzeit noch nicht vor. Es sei geplant, ein Konzept mit Pilotprojekt aufzusetzen, schreibt «Die Presse».

Die Freigabe von Tempo 140 km/h sei nicht flächendeckend geplant, eine Erhöhung sei nur bei Streckenabschnitten mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen angedacht. Und auch nur, wenn Wetter- und Sichtverhältnisse stimmen. Mit dem Vorhaben stösst Hofer jedoch nicht nur auf Zustimmung.

Der ehemalige Verkehrsminister, Jörg Leichtfried, sieht die Pläne seines Nachfolgers als Gefahr für die Klimaziele, so «Die Presse». Die Technische Universität in Graz (TU) erstellte eine Analyse dazu. Diese kam zum Schluss, dass Feinstaub und Stickoxid bei 10 km/h mehr um 20 Prozent steigen würden. Das Kohlendioxid würde sich um zwölf Prozent erhöhen.

Nur in der Theorie

Der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touringclub (ÖAMTC) unterstützt die Idee von Hofer ebenfalls nicht. «Wir stehen dieser Idee sehr kritisch gegenüber, da wir wissen, dass eine Erhöhung des Tempolimits damit verbunden wäre, dass man die Autobahnen komplett mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen ausstatten müsste», sagt Jürgen Wagner, Mediensprecher des ÖAMTC Vorarlberg.

Die Verkehrsbeeinflussungsanlagen (VBA) dienen verkehrstechnisch für Zwecke des Verkehrsmanagements. Aufgabe der VBA ist neben der Verbesserung der Verkehrsqualität und dem Verhindern von Staus die Erhöhung der Verkehrssicherheit. «Wie hoch die Kosten wären, wenn sie auf der gesamten Autobahn installiert werden müssten, kann ich nicht einschätzen. Aber der Nutzen steht nicht im Verhältnis zu den Kosten», sagt Wagner.

Jürgen Wagner, Mediensprecher des ÖAMTC Vorarlberg. Bild: zVg

Er sagt, die VBAs legen ausserdem die Tempolimits fest. Diese Limiten werden aufgrund des Verkehrsaufkommens, der Witterung und der Umweltbelastung festgelegt. Wagner sagt, dass nur auf einigen wenigen Autobahnabschnitten effektiv 140 km/h gefahren werden könnte.

«Zwar gibt es Abschnitte, die ohne Probleme mit 160 km/h befahren werden könnten, doch durch die vielen Faktoren, welche in die Verkehrsbeeinflussungsanlagen einfliessen, gehen wir davon aus, dass im Schnitt sogar langsamer gefahren werden muss. Die 140 km/h würden also nur auf dem Papier existieren», so Wagner.

«Nimmt man Deutschland als Beispiel», meint Wagner, «so sieht man, dass auf den Abschnitten ohne Limite und mit VBAs im Schnitt sogar langsamer gefahren wird als in Österreich oder der Schweiz, wo die Tempolimits bei 130 und 120 km/h liegen.»

Ob mit 10 km/h mehr die Unfälle zunehmen würden, kann nicht genau gesagt werden. «Wir gehen aber davon aus, dass dies keinen grossen Einfluss haben würde. Wir können auch keine Vergleiche mit Deutschland ziehen, da das Verkehrsaufkommen anders ist», sagt Wagner. In Österreich gebe es auch keine aussagekräftigen Studien dazu, ob die Unfälle steigen würden oder nicht.

«Vorarlberg Heute» hat zur Idee der Tempoerhöhung eine Umfrage durchgeführt, an der 8000 Männer und Frauen teilgenommen haben. Lediglich 40 Prozent haben sich in der Umfrage für eine Erhöhung ausgesprochen.

(str)

 

Stefanie Rohner
veröffentlicht: 7. Februar 2018 11:16
aktualisiert: 8. Februar 2018 06:24