Kommt eine heftige Grippewelle?

Leila Akbarzada, 3. November 2017, 14:49 Uhr
Viel Krankheiten sind dank Impfungen verschwunden - heute lässt sich jedoch kaum mehr jemand unkritisch impfen.
Viel Krankheiten sind dank Impfungen verschwunden - heute lässt sich jedoch kaum mehr jemand unkritisch impfen.
© iStock
Heute Freitag ist nationaler Grippeimpftag. Zu einem Pauschalpreis kann man sich in vielen Arztpraxen und Apotheken mit einer Impfung vor der kommenden Grippewelle schützen. Vielleicht dieses Jahr umso wichtiger, denn es könnte eine starke Grippewelle auf uns zukommen.

In Australien war die Grippewelle dieses Jahr besonders heftig. Fast zweieinhalb mal mehr Grippeinfektionen als im Vorjahr wurden registriert, wie «CNN» berichtet. In Melbourne starb ein achtjähriges Mädchen an den Folgen der Grippe, und auch ein 30-jähriger gesunder Familienvater verstarb innerhalb weniger Tage wegen des Grippevirus.

Anzeichen für heftige Grippewelle in der Schweiz?

Die Grippewelle auf der südlichen Hemisphäre wird oft als Mass für die Grippewelle in der nördlichen Hemisphäre gedeutet. Erwartet uns nun eine heftige Grippesaison? «Nicht unbedingt», sagt der Experte. «Es ist nicht immer so, dass auf der nördlichen Hemisphäre die gleichen Viren wie ein halbes Jahr zuvor im Süden eine Grippewelle auslösen», sagt Mark Witschi, Leiter der Sektion Impfempfehlungen und Bekämpfungsmassnahmen beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).

«Das heisst natürlich nicht, dass wir uns zurücklehnen. Wir nehmen die Situation sehr ernst und bemühen uns, dass sich die Leute gegen die Grippe impfen können.» Zusätzliche Massnahmen aufgrund der Grippewelle in Australien seien nicht getroffen worden. «Uns bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten.»

Von Neujahr bis Ende April

Man sehe erst nach den ersten paar Wochen, welcher Virustyp sich durchsetzt. «Im Normalfall fängt die Grippewelle in der Neujahrszeit an und erreicht ihren Höhepunkt im März. Ende April ist sie dann vorbei», sagt Witschi. Für eine verfrühte Grippewelle gebe es bisher noch keine Anzeichen. Darum sei es noch nicht zu spät für die Impfung. «Es braucht etwa zwei Wochen, bis der Körper wirklich geschützt ist. Deshalb ist es am besten, sich bis Mitte November zu impfen, falls die Grippewelle früher kommt», so Witschi.

Impfung an Schulen?

Die Impfung deckt nicht alle Virustypen ab. Das BAG rechnet mit einer Wirksamkeit von 50 Prozent. Bei älteren Menschen sind es weniger (eher 30 Prozent), bei jüngeren Menschen eher mehr (70 bis 90 Prozent). Wichtig sei vor allem, dass sich das Umfeld von gefährdeten Menschen impft, damit diese schon gar nicht den Virus nach Hause bringen. «Deshalb wäre die Impfung an Schulen grundsätzlich sinnvoll. Denn Schulkinder übertragen Viren oft unbemerkt, und stecken zuhause ihre Grosseltern an.» In England werden laut Witschi Kinder an den Schulen geimpft. «Aber in der Schweiz ist das noch nicht spruchreif.»

Bei Grippe Spital meiden

Wer die Grippe erwischt, sollte nicht direkt ins Spital gehen. «Man will ja nicht die anderen Personen im Wartezimmer anstecken.» Man sollte sich zuhause mit Tees und entsprechenden Medikamenten aus der Apotheke pflegen. «Wenn es schlimmer wird und man keine Nahrung und Flüssigkeit mehr zu sich nehmen kann, sollte man einen Arzt aufsuchen. Gerade, wenn man eine Herz- oder Lungenkrankheit hat, die schwerere Komplikationen verursachen könnte», sagt Witschi.

Gesunder Lebensstil

Neben der Grippeimpfung empfiehlt Witschi einen gesunden Lebensstil, um sich vor der Grippe zu schützen. «Es ist wichtig, dass man sich gesund und abwechslungsreich ernährt und frische Früchte zu sich nimmt.» Frische Luft sei ebenfalls wichtig. «Man kann gut einmal kurze Bus- oder Tramstrecken zu Fuss gehen. Das tut der Gesundheit allgemein gut.»

(lak)

 

 

Leila Akbarzada
veröffentlicht: 3. November 2017 14:49
aktualisiert: 3. November 2017 14:49