Soll Pille ohne Pause eingenommen werden?

Fabienne Engbers, 31. Januar 2019, 17:14 Uhr
Die Antibabypille ist das häufigste Verhütungsmittel. (Symbolbild)
Die Antibabypille ist das häufigste Verhütungsmittel. (Symbolbild)
© istock
Es ist eine Frage, die sich junge Frauen regelmässig stellen: Ist es gefährlich, wenn man die Antibabypille ohne Pause durchgehend nimmt? Eine britische Fakultät sagt: «Nein». Es könne sogar helfen, Beschwerden zu reduzieren. Die Pille ist aber nicht für jeden das richtige Verhütungsmittel.

Es ist Sommer. Die Ferien am Strand sind gebucht. Kurz bevor man abreist, stellt man fest, dass man die Tage genau in der Ferienwoche bekommt. Viele junge Frauen stellen sich zu dieser Zeit die Frage, ob es schlimm ist, wenn man die Pille durchnimmt und so die Regelblutung verhindert. Die Fakultät der Gynäkologen und Geburtshelfer (FSRH) in London hat in einer Studie herausgefunden, dass die Pille ohne Pause einen Monat durchgenommen werden kann – ohne ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darzustellen.

Weniger ungewollte Schwangerschaften

Viele Antibabypillen haben 21 Pillen in der Packung, hat man sie alle genommen, macht man sieben Tage Pause. Das sei nicht notwendig, sagen die britischen Forscher. Sie glauben gar, dass mehr ungewollte Schwangerschaften verhindert werden können, wenn Frauen nicht aufhören, die Pille zu nehmen. Dies, weil das Risiko kleiner ist, schwanger zu werden, wenn man einmal vergisst, die Pille zu nehmen.

«Die Pause war dazu gedacht, den normalen Zyklus zu imitieren, damit die Pille besser akzeptiert wird», sagt Professor Guillebaud von der FSRH. Schaue man sich den Wirkstoff aber genauer an, sei diese Pause nicht nötig, sondern eher suboptimal. «Ohne die hormonfreie Zeit fallen auch die Beschwerden, die mit einer Regelblutung verbunden sind, weg», steht in der Studie. Man lebe also ein sorgenfreieres Leben.

Die Experten erwarten, dass es früher oder später normal wird, die Pille nicht für sieben Tage auszusetzen.

Nach drei Monaten wieder einnehmen

«Es ist kein Problem, wenn Frauen die Periode einmal ausfallen lassen», sagt auch Christina Heinl, Frauenärztin in St.Gallen. Sie empfehle ihren Kundinnen aber keine längeren Pausen als drei Monate: «Danach sollte die Pille wieder genommen werden.» Grundsätzlich empfehle sie den Frauen aber, die Pille so zu nehmen, wie es empfohlen wird – also 21 Tage mit einer Pause von sieben Tagen.

Christina Heinl weist aber auch auf die Nebenwirkungen hin, die durch die Pille auftreten können, egal ob sie durchgehend eingenommen wird oder nicht: «Ich empfehle die Pille nicht jeder. Es kommt auf die Bedürfnisse der Frauen darauf an.» Sie zeige allen Patientinnen die Risiken oder Gefahren auf: «Ganz streng bin ich mit Frauen, die rauchen. Dort rate ich strikt von einer herkömmlichen Pille ab und empfehle, wenn überhaupt, eine östrogenfreie Pille.»

Viele Nebenwirkungen

Wer die Antibabypille nimmt und gleichzeitig raucht, steigert das Risiko einer Thrombose, erklärt die Frauenärztin. Auch eine Lungenembolie könne im Zusammenhang mit dem Einnehmen der Antibabypille entstehen.

Zusätzlich haben dänische Forscher vor Kurzem entdeckt, dass ein Zusammenhang zwischen hormonellen Verhütungsmitteln und dem Suizidrisiko besteht. Durch hormonelle Verhütung können Depressionen und depressive Verstimmungen verstärkt werden.

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 26. Januar 2019 06:34
aktualisiert: 31. Januar 2019 17:14