Wenn dich dein Beruf im Schlaf verfolgt

Noémie Bont, 10. Juni 2019, 13:34 Uhr
Plötzlich ohne Kleidung dazustehen – auch davon kann man träumen. (Symbolbild)
Plötzlich ohne Kleidung dazustehen – auch davon kann man träumen. (Symbolbild)
© iStock
Kennst du das? Wegen der Arbeit oder wegen deines Studiums bist du gerade sehr gefordert. Die Nächte sind kurz und intensiv. Du denkst auch während der Nacht noch an den Arbeitsplatz und träumst immer dasselbe Horror-Szenario.

Träume können zwar verwirren, schockieren oder erstaunen, wollen dir aber in der Regel etwas sagen. Sie wollen dich auf Schwachstellen, wunde Punkte, Lösungsansätze oder unverarbeitete Erlebnisse aufmerksam machen. Vor allem auf Träume, die regelmässig auftauchen, solltest du genauer eingehen, sagt der Liechtensteiner Traumdeuter Lukas Bauer. «Wichtig bei der Traumdeutung ist, dass man den Traum nicht eins zu eins interpretiert. Träume dürfen nur im übertragenen Sinne verstanden werden. Dabei stehen der Beruf und die Arbeit im Traum meistens nur als Symbol.»

Wir haben uns umgehört – davon träumen Leute verschiedener Berufsgruppen aus dem FM1-Land:

1. Der Student vor einer Prüfung

«Vor einer wichtigen Prüfung träume ich immer, dass ich in letzter Sekunde den Zug verpasse. Mein Weg an die Hochschule entpuppt sich nämlich plötzlich zum wahren Albtraum. Ich renne Richtung Bahnhof und muss unterwegs immer wieder Hindernisse überqueren. Meistens muss ich dabei durch ein Rohr kriechen. In letzter Sekunde bleibe ich mit dem Schulrucksack irgendwo hängen und der Zug ist weg.»

2. Die Lehrperson vor dem neuen Schuljahr

«Kurz bevor ich meine neue Klassen kennenlerne, träume ich immer dasselbe Horror-Szenario. Ich sehe die Schülerinnen und Schüler vor mir, die auf einmal nicht mehr folgen und meine Anweisungen ignorieren. Im Wald rennen sie weg und klettern auf die Bäume. In der Turnhalle räumen sie alle Bälle und Sportgeräte aus, füllen die Halle und bringen sich in Gefahr.»

3. Der Moderator, wenn er «on air» geht

«Das Mikrofon ist an und tausende Leute hören mich. Davor habe ich Respekt und träume deshalb ganz schön viel davon. Ich habe Nachrichtendienst und sollte zur vollen Stunde im Studio stehen. Die Uhr zeigt die Minute 59 an, ich stehe im Studio und plötzlich stellen die Bildschirme ab. Keine Nachrichten mehr vor mir. Mein Adrenalinpegel steigt. Ich höre bereits meinen Namen ‹Jetzt die Nachrichten mit...›. Was soll ich tun, frage ich mich. Dann beginne ich zu singen.»

4. Der CEO, der alleine die Verantwortung trägt

«Seit ich selbständig bin, träume ich von vielen Dingen, die ich plötzlich nicht mehr hinkriege, durcheinanderbringe oder vergesse. Ich sollte eine Präsentation halten, doch ich bringe den Computer nicht an. Ich sollte die Arbeit zum abgemachten Zeitpunkt abgeben, doch ich verpasse die Deadline. Aus Verzweiflung gehe ich zum RAV, zum Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum. Dort werde ich abgewiesen und habe keinen Job mehr.»

5. Der Pfarrer, der seine Worte vergisst

«Ich möchte jeweils den vielen Kirchenbesuchern in der Predigt etwas Gutes mit auf den Weg geben. Doch in einem immer wiederkehrenden Traum verstehe ich während des Predigens plötzlich meine Sprache nicht mehr. Ich bete nur noch Floskeln runter und verstehe mich selber dabei nicht mehr.»

6. Die Krankenschwester, die Patienten verliert

«Voller Tatendrang gehe ich zur Arbeit. Doch keiner ist mehr da. Das Spital ist wie ausgestorben. Alle Patienten sind verschwunden, alle Betten, alle Gänge, alle Zimmer sind leer.»

7. Der Buschaffeur, der stehen bleibt

«Ich träume manchmal, dass ich während der Pendlerzeiten die Passagiere nicht mehr befördern kann. Der Bus ist gefüllt mit gestressten Leuten. Ich will losfahren, doch dann springt der Bus nicht mehr an. Alle Leuten verdrehen die Augen und verwerfen die Hände. Doch ich komme nicht vorwärts.»

8. Die medizinische Praxisassistentin, die ihre Kleider verliert

«Nach intensiven Tagen träume ich manchmal davon, nackig zur Arbeit zu gehen. Um die Patienten behandeln zu können, muss ich mich ständig mit beiden Armen und mit beiden Händen am Körper bedecken. Ich renne dabei halbwild durch die Praxis, um bösen Blicken zu entgehen.»

Wie kann man sich von diesen Träumen befreien? Traumdeuter Lukas Bauer rät, sich mit solchen wiederkehrenden Träumen zu beschäftigen. «Sobald man herausgefunden hat, auf welches Problem das Unterbewusstsein aufmerksam machen möchte, kann man sich mit der Thematik auseinandersetzen.» So sollte der Traum für keine adrenalinfördernden Gedankengänge während der Nächte mehr sorgen.

Noémie Bont
veröffentlicht: 10. Juni 2019 11:51
aktualisiert: 10. Juni 2019 13:34