Historisches Berner-Dokument aufgetaucht

Das wieder aufgetauchte Protokoll zur "Henzi-Verschwörung".
Das wieder aufgetauchte Protokoll zur "Henzi-Verschwörung". © zvg/Kanton Bern
Im Kanton Bern ist ein historisch bedeutendes Dokument zur sogenannten «Henzi-Verschwörung» aufgetaucht, das 200 Jahre als verschollen galt. Henzi war Kopf einer Gruppe unzufriedener Bernburger, die 1749 den politischen Umsturz plante.

Beim wieder aufgetauchten Dokument handelt es sich um das geheime Protokoll der Berner Regierung. Der Kanton Bern vermeldete den «spektakulären» Fund am Mittwoch. Das Staatsarchiv war anfangs Juni vom einem Historiker darauf aufmerksam gemacht worden, dass im Internet ein Manual zur «Henzi-Verschwörung» aufgetaucht sei.

Das Staatsarchiv konnte in der Folge den Besitzer des Bandes von der historischen Bedeutung überzeugen. Es komme «einer kleinen Sensation» gleich, dass der Band nun fast auf den Tag genau 270 Jahre nach der Enthauptung von Samuel Henzi wieder ins Staatsarchiv zurückkehre.

Henzi war der intellektuelle Kopf einer Gruppe, welche die Vorherrschaft des regierenden Patriziats beenden wollte. Die Gruppe aus Handwerkern, Gewerbetreibenden und nicht regierenden Berner Burgerfamilien einte das Gefühl der Benachteiligung gegenüber den patrizischen Burgern, denen sie rein rechtlich gleichgestellt waren.

Für die damalige Zeit stellten sie revolutionäre Forderungen: eine Gemeindeversammlung als oberstes Organ, eine Amtszeitbeschränkung für vom Volk gewählte Magistrate, eine jährliche Abrechnung der Staatskasse sowie die Öffnung der Archive.

Nachdem die Gruppe nach ihrer zweiten Versammlung an die Obrigkeit verraten wurde, nahmen «kräftige» Mitglieder des Kleinen und Grossen Rates die Verschwörer fest. Am 16. Juli 1749 wurden über die drei Hauptpersonen – unter ihnen Samuel Henzi – das Todesurteil ausgesprochen und am nächsten Tag durch das Schwert vollzogen.

Samuel Henzi war bereits 1744 als Mitverfasser eines regierungskritischen Manifests aus dem bernischen Staat verbannt worden. Zurück in der Stadt Bern arbeite er 1749 als Unterbibliothekar in der Stadtbibliothek, sah sich jedoch immer wieder gegenüber Konkurrenten aus Patrizier-Familien benachteiligt.

Obwohl die Verschwörung in sich zusammengebrochen war, ohne dass sie namhafte Unterstützung erhalten hatte, sorgte sie im eher beschaulichen Bern für grosse Unruhe.

Die Ereignisse rund um die «Henzi-Verschwörung» lösten in Europa ein grosses Medienecho aus. Gotthold Ephraim Lessing schrieb darüber sogar ein Theaterstück, das später als Fragment veröffentlicht wurde.

Mit dem wieder aufgetauchten Dokument – das geheime Ratsmanual – liessen sich nun die Darstellungen von Zeitzeugen aus Sicht der Berner Obrigkeit überprüfen, schreibt der Kanton Bern.

(SDA)


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