Virales Video

Betrug um virales Video der Feuerwehr Muotathal?

26. Februar 2021, 10:53 Uhr
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Quelle: PilatusToday

Ein Demofilm der Feuerwehr Muotathal ist auf Youtube viral gegangen. Über 50 Millionen Klicks wurden verzeichnet. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass dieser Erfolg gekauft worden ist.

Eigentlich war das so nicht geplant. Lothar Gwerder stellte 2012 ein Demovideo einer Übung der Feuerwehr Muotathal auf Youtube. «Für den internen Gebrauch und für Insider», wie er gegenüber «20 Minuten» sagt (FM1Today berichtete).

Doch dann kam es anders: Das Video knackte plötzlich die 50-Millionen-Grenze. Gwerder: «Es ist für mich ein Rätsel.» Schnell werden Betrugsvorwürfe laut, die Klicks seien gekauft worden. Denn so spektakulär ist das Video auch wieder nicht.

«Ich würde sagen: gekauft»

«Die Kommentare sehen alle fake aus», sagt denn auch Gustavo Salami, Gründer der Kuble AG und Experte für Social-Media- und Influencer-Marketing, auf Anfrage von FM1Today. Er meint: «50 Millionen Views für diesen Inhalt ist nach meiner Einschätzung nicht möglich, ohne dass es internationale Artikel in Zeitungen und Blogs gibt. Ich würde sagen: gekauft.»

Doch wer würde von einem solchen Klick-Kauf profitieren? Lothar Gwerder, der das Video auf Youtube geladen hat, verdient nichts daran. Allerdings bekommen die Rechteinhaber der verwendeten Musik für jeden Klick auf das Video einen kleinen Betrag.

Grosses Klickvolumen – kleine Einnahmen

Über die Fremdverwertung der Musik verdienen die Inhaber dank der Youtube Content ID rund 4,7 Franken pro 10'000 Streams. Das wären bei 50 Millionen Klicks gerade mal etwa 23'500 Franken. Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen, offizielle Daten dazu gibt es nicht.

«50 Millionen Views kosten viel. Über einschlägige Portale müsste man dafür rund 140'000 Dollar (rund 126'500 Franken) in die Hand nehmen», sagt Experte Gustavo Salami. Für die Rechteinhaber der Musik oder die Musiker selbst ein Minusgeschäft.

Einnahmen gestrichen oder gekürzt

Google selbst will sich zum Video der Feuerwehr Muotathal nicht äussern. «Uns ist es nicht möglich, einzelne Videos auf Youtube zu kommentieren», heisst es bei der Medienstelle. Werden beim Videodienst jedoch Auffälligkeiten entdeckt, wie das bei diesem Video der Fall ist, würden die Einnahmen gestrichen oder gekürzt. Es könne auch sein, dass das Konto gesperrt wird, heisst es in den Richtlinien zu Youtube.

Darüber, dass irgendetwas mit den Millionen-Klicks auf dem Video nicht stimmt, sind sich alle befragten Experten einig. Wer davon jedoch profitieren könnte, bleibt weiterhin ein Rätsel.

(rr)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. Februar 2021 06:45
aktualisiert: 26. Februar 2021 10:53