«Leben bis zum Schluss» Teil 4

Leiterin Cristina Pitschen erklärt das Steinritual im Sterbehospiz

· Online seit 03.04.2024, 21:42 Uhr
Wenn Patienten im Hospiz sterben, geht das auch den Pflegerinnen nahe. Aus diesem Grund haben sie ein Ritual entwickelt, um für sich Abschied nehmen zu können. Leiterin Cristina Pitschen gibt einen Einblick.

Quelle: Cyrill Pürro

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«Das ‹Übertreten› liegt für uns Menschen ausserhalb der Vorstellungskraft», sagt Pflegerin Christine Schneeberger. Damit meint sie den Moment, in dem Patientinnen und Patienten sterben. Vielmals passiere das aus einer Bewegung heraus, wie beispielsweise bei Herrn Zwichel* (in Teil 1 erwähnt). Er sei in den Armen der Pflegerin gestorben, als sie ihn auf die Seite drehen wollte. «In solchen Augenblicken steht für mich die Zeit kurz still», beschreibt Schneeberger ihre Gefühlslage.

«Menschlicher Körper ist darauf ausgelegt, zu leben»

Wie Schneeberger aus ihrer Erfahrung im Hospiz weiss: Auch wenn ein Mensch im Alter sterben will, heisst das nicht, dass das sofort passiert. «Der menschliche Körper ist darauf ausgelegt, zu leben. Die Zellen wehren sich mit aller Kraft gegen das Sterben», erklärt die Pflegerin.

Es nicht nur das «Übertreten», das die Pflegerinnen hautnah miterleben. Sie nehmen gleichzeitig auch Abschied von einer Person, die sie in ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet haben. Um gebührend Abschied nehmen zu können, haben die Pflegerinnen und die Leiterin des Hospiz, Cristina Pitschen, ein Steinritual entwickelt.

Ein Symbol für Ruhe und Stabilität

Beim Eintritt in das Hospiz erhalten die Patientinnen und Patienten einen persönlichen Stein. Dieser Stein bleibt während des Aufenthalts in der Obhut des Patienten und kann je nach Lust, Laune und Interessen verziert und bemalt werden. Nachdem die Person verstorben ist, wandert der Stein für einen Monat in die Mitte des Teams. Danach wird der Stein gemeinsam in den Garten getragen. Wurde der Stein dann vollständig von der Natur «abgewaschen», kommt er wieder in den Kreislauf.

Die Steine symbolisieren gemäss Cristina Pitschen Ruhe und Stabilität.

*Alle Namen der Patienten sind der Redaktion bekannt und wurden abgeändert. Die erwähnten Patienten sind mittlerweile verstorben.

Teil 1 der Reportage: Im Solothurner Sterbehospiz lebt das Leben

Teil 2 der Reportage: Eine Helferin durch und durch

Teil 3 der Reportage: Dieser Seelsorger ist stets für die Patienten da

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veröffentlicht: 3. April 2024 21:42
aktualisiert: 3. April 2024 21:42
Quelle: 32Today

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