«Jeden Tag schwimme ich zur Arbeit»

Fabienne Engbers, 6. Juli 2017, 07:00 Uhr
Benjamin David fährt nicht etwa mit dem Auto, Bus oder dem Velo zur Büez - er schwimmt. Der Deutsche schwimmt jeden Tag rund zwei Kilometer flussabwärts zu seinem Arbeitsplatz. dabei lernt er seine Heimat München von einer neuen Seite kennen.

Aus dem Haus geht Benjamin David mit Badehose und Gummisandalen, seinen Arbeitsweg legt er schwimmend zurück. Zwei Kilometer lässt er sich jeden Morgen treiben, bis er an seinem Arbeitsplatz ankommt. Was in München noch einzigartig ist, gibt es in der Schweiz in Basel oder am Bodensee schon zu Hauf.

«Es ist ein schöner Arbeitsweg»

«Die Isar ist ein friedlicher Fluss, mir gefällt mein Arbeitsweg, vor allem im Vergleich zum verrückten Autoverkehr», sagt Benjamin David. Je nach dem, wie eilig es der Hobbyschwimmer hat, braucht er zwischen 8 und 25 Minuten für seinen Arbeitsweg. Steigt er aus dem Wasser, gönnt er sich erstmals einen Kaffee in seiner eigenen Bar am Isar-Ufer, bevor er mit der Arbeit beginnt.

Das Autochaos in München kann David mit seinem ungewöhnlichen Arbeitsweg umgehen. «Auf der Isarparallele stehen jeden Tag tausende von Autos, dazu kommen viele Fahrradfahrer», sagt der Münchner. Die Busse seien überfüllt, gerade zu den Stosszeiten. «Es ist sehr unangenehm und auch gefährlich.»

Sightsseing und Dusche inklusive

Ein weiterer Pluspunkt ist das Sightseeing, das der Münchner jeden Morgen geniesst. Das renaturierte Ufer und die Kaimauern beim deutschen Museum, sowie das europäische Patentamt liegen auf seinem Weg. «Ausserdem kann ich unter Brücken durchschwimmen, die ursprünglich für Flosse gebaut wurden. Die sehen von unten richtig toll aus.»

Dadurch, dass Benjamin David seinen Arbeitsweg im Wasser zurücklegt, hat er morgens mehr Zeit. «Im Wasser bekomme ich quasi eine Dusche inklusive, deshalb kann ich später aufstehen. In den Stadtbussen gibt es dieses Feature noch nicht», sagt der Münchner lachend.

Hemd, Laptop und Handy schwimmen mit

Mit in die Isar nimmt Benjamin David seine Arbeitskleidung, sowie sein Laptop und sein Smartphone. «Die trage ich in einem wasserdichten Wickelfisch bei mir.» Probleme damit hatte er bis anhin noch keine.

Die Wickeltasche hat ihn überhaupt dazu gebracht, die Isar für seinen Arbeitsweg zu nutzen.« Die Tasche, die von einem Basler designed wurde, ist vollkommen wasserdicht, deshalb kann ich mühelos meine Sachen darin verstauen und mit ihr schwimmen.» Mittlerweile habe er auch schon einige Mitschwimmer gefunden, die ihren Arbeitsweg ebenfalls schwimmend zurücklegen.

Kein reines Sommervergnügen

Benjamin David schwimmt so gerne in der Isar, dass er auch bei kühleren Temperaturen den Weg durchs Wasser nutzt. «Dafür habe ich einen kurzen und einen langen Neoprenanzug», sagt er. Im Winter habe die Isar kühle vier Grad.

Im Sommer sei der Schwumm um Einiges angenehmer. «Momentan hat der Fluss 18,5 Grad, der Spitzenwert letzte Woche lag bei fast 20 Grad.» Das sei im Sommer durchaus erfrischend.

Den Heimweg von der Arbeit muss der Münchner jedoch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuss oder mit dem Taxi bestreiten. «Die Isar hat eine ziemliche Strömung. Sogar ein Profisportler hätte wohl Mühe, die zwei Kilometer gegen den Strom anzukämpfen.»

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 6. Juli 2017 05:56
aktualisiert: 6. Juli 2017 07:00