"Airbnb" für Flüchtlinge

Leila Akbarzada, 10. September 2015, 14:28 Uhr
Das Gründerteam von "Flüchtlinge Willkommen": Golde Ebding, Mareike Geiling und Jonas Kakoschke. Pressefotos (Fotos: Flüchtlinge Willkommen)
Das Gründerteam von "Flüchtlinge Willkommen": Golde Ebding, Mareike Geiling und Jonas Kakoschke. Pressefotos (Fotos: Flüchtlinge Willkommen)
Was Solidarität gegenüber Flüchtlingen angeht, hat Deutschland in den letzten Wochen so einige Zeichen gesetzt. Ein Projekt sticht besonders heraus: Eine Gruppe von jungen Deutschen vermittelt WG-Zimmer an Flüchtlinge und erhält internationale Beachtung.

Flüchtlinge bei sich zu Hause aufzunehmen, ist nicht nur eine gute Tat, sondern kann auch eine kulturelle Bereicherung sein. Das haben Mareike Geiling und Jonas Kakoschke selbst erfahren, als sie Bakary aus Mali bei sich aufgenommen haben. Mit diesen Erfahrungen gründeten die beiden die Plattform "Flüchtlinge Willkommen".

Menschen, die ein Zimmer oder eine ganze Wohnung zu vermieten haben, aber auch Flüchtlinge selber können sich bei ihnen registrieren. "Flüchtlinge Willkommen" vermittelt dann die Wohnungen an Flüchtlinge und umgekehrt. Das Ganze funktioniert wie die Online-Plattform Airbnb. Darum wird "Flüchtlinge Willkommen" auch manchmal "Airbnb für Flüchtlinge genannt.

Mitglieder der Gesellschaft

Das Sozialamt zahlt den grössten Teil der Mieten, der Rest wird mit den Spenden gedeckt, die ebenfalls über die Website von "Flüchtlinge Willkommen" einbezahlt werden können. Seit November 2014 engagiert sich das mittlerweile 13-köpfige Team und vermittelt, was das Zeug hält. Bereits 86 Unterkünfte konnte "Flüchtlinge Willkommen" auf diese Weise in Deutschland vermitteln. In Österreich ist ein Schwesterprojekt entstanden, das seit Januar 2015 läuft.

Die Grundidee dahinter ist, dass die Flüchtlinge nicht in Massenbeherbergungen ausserhalb der Stadt versauern, sondern echte Mitglieder der Gesellschaft werden. "So können die Flüchtlinge viel besser am deutschen Alltag teilnehmen", sagt Jonas Kakoschke.

Grosse Aufmerksamkeit

Das Projekt hat mittlerweile internationale Beachtung gefunden, die Gründer haben bereits etliche Interviews gegeben, von Zeitungen wie die englische "The Guardian" über die israelische "Haaretz" bis zum katarischen Fernsehsender und Onlineportal "Al Jazeera". Die Spendenadressen haben mittlerweile auch eine globale Reichweite: Menschen aus Schottland, Griechenland und sogar Australien haben bereits für "Flüchtlinge Willkommen" gespendet.

Leila Akbarzada
Quelle: lak
veröffentlicht: 10. September 2015 13:30
aktualisiert: 10. September 2015 14:28