Afghanistan

Anschläge überschatten Präsidentschaftswahl in Afghanistan

28. September 2019, 18:16 Uhr
Wegen grosser Unsicherheit und Furcht vor Anschlägen trauten sich in Afghanistan nur wenige Frauen an die Wahlurnen - wie hier in Kandahar im Süden des Landes, einer früheren Hochburg der Taliban.
Wegen grosser Unsicherheit und Furcht vor Anschlägen trauten sich in Afghanistan nur wenige Frauen an die Wahlurnen - wie hier in Kandahar im Süden des Landes, einer früheren Hochburg der Taliban.
© KEYSTONE/EPA/MUHAMMAD SADIQ
Überschattet von mehreren Anschlägen und Gewaltdrohungen der Taliban haben die Afghanen einen neuen Präsidenten gewählt. Aus vielen Landesteilen wurden am Samstag Angriffe und Feuergefechte gemeldet, bei denen fünf Angehörige der Sicherheitsbehörden getötet wurden.

37 Menschen seien verletzt worden, hiess es aus dem Verteidigungsministerium. Auch lagen hunderte Beschwerden über Unregelmässigkeiten bei der Stimmabgabe vor. Westliche Diplomaten gingen von einer geringen Beteiligung aus. Viele Afghanen blieben wohl aus Angst um ihr Leben den Wahlurnen fern. Die Wahl lief unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ab. Mehr als 72'000 Sicherheitskräfte sicherten den Wahlgang.

Befürchtet wird ein unklarer Ausgang, der das ohnehin von Gewalt zerrissene Land noch weiter in die politische Ungewissheit stürzen könnte. Vorläufige Ergebnisse werden nicht vor Mitte Oktober erwartet. Das Endergebnis soll frühestens Anfang November vorliegen. Als aussichtsreichster Kandidat neben Amtsinhaber Aschraf Ghani gilt dessen Regierungschef und langjähriger Rivale Abdullah Abdullah.

Die Wahlkommission äusserte sich dennoch zufrieden über den Verlauf. Verglichen mit früheren Abstimmungen sei es "die gesündeste und fairste Wahl" gewesen. Die Wahllokale blieben kurzfristig zwei Stunden länger als geplant geöffnet, nachdem es wegen technischer Probleme zu Verzögerungen gekommen war.

Ein ranghoher Vertreter des Innenministeriums sagte, das Sicherheitskonzept scheine aufgegangen zu sein. Mehrere Anschläge seien vereitelt worden. Zehntausende Sicherheitskräfte waren im Einsatz.

Die Taliban erhöhten bereits vor der Wahl die Zahl ihrer Angriffe, nachdem Gespräche mit den USA mit Blick auf ein mögliches Friedensabkommen kürzlich abgebrochen worden waren. Die Aufständischen kontrollieren inzwischen mehr Territorium als je zuvor seit ihrem Sturz durch die USA im Jahr 2001. Sie hatten die Bevölkerung aufgerufen, die Wahl zu boykottieren. Mehr als neun Millionen Afghanen waren zur Wahl aufgerufen.

Hunderte Wahllokale bleiben geschlossen

Bereits wenige Stunden nach Öffnung der Wahllokale gab es mehrere Explosionen. Nach Behördenangaben wurden unter anderem Vorfälle aus Kabul, Dschalalabad, Ghani und Kandahar gemeldet. In der im Norden des Landes gelegenen Provinz Farjab lieferten sich afghanische Soldaten und Taliban Kämpfe. Da die Einwohner deshalb ihre Häuser nicht verlassen konnten, blieben sie auch den Urnen fern.

Die Taliban teilten mit, dass ihre Kämpfer Wahllokale in der Provinz Laghman angegriffen hätten. In Dschalalabad wurde die Stimmabgabe nach Behördenangaben durch vier Explosionen unterbrochen.

Gut 400 Wahllokale, die in von den Taliban kontrollierten Gebieten lagen, öffneten nicht. Die Wahlkommission teilte während der Stimmabgabe zudem mit, sie habe zu 901 der 4942 Wahlzentren keinen Kontakt herstellen können. Ob es dort dennoch zur Stimmabgabe kam, war nicht klar. Hunderte Afghanen gaben bis zum Nachmittag an, dass ihre Namen im Wählerverzeichnis nicht aufgeführt worden seien.

Die beiden aussichtsreichsten der insgesamt 14 Kandidaten gaben an unterschiedlichen Schulen in der Hauptstadt Kabul ihre Stimme ab. Er setze darauf, dass die Wahl sein Land voranbringe, sagte Amtsinhaber Ghani. Der 70-jährige und der 59-jährige Abdullah teilen sich seit der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Wahl 2014 gezwungenermassen die Macht, sind sich aber eher in gegenseitiger Missgunst verbunden.

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. September 2019 18:20
aktualisiert: 28. September 2019 18:16