APK-Präsidentin: «Schweiz muss Krähenbühl zur Rede stellen»

30. Juli 2019, 12:40 Uhr
APK-Präsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP/BL) fordert auf die internen Vorwürfe an das Palästinenser-Hilfswerk UNWRA, dass Gespräche geführt werden. (Archivbild)
APK-Präsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP/BL) fordert auf die internen Vorwürfe an das Palästinenser-Hilfswerk UNWRA, dass Gespräche geführt werden. (Archivbild)
© KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
Die Schweiz müsse UNWRA-Generalkommissar Pierre Krähenbühl zur Rede stellen: Das fordert Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP/BL), Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrates, nach Vorwürfen aus einer internen Untersuchung.

«Wichtig ist, dass man die nötigen Gespräche rasch führt und Druck gegenüber der UNRWA aufsetzt, damit endlich Massnahmen ergriffen werden», sagte Schneider-Schneiter in einem auf srf.ch veröffentlichten Interview. Über den internen Untersuchungsbericht zum Uno-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNWRA) hatten Radio SRF und die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

Mit der Uno müssten «längst notwendige Mandatsveränderungen gesucht und eingeführt» werden, sagte Schneider-Schneiter. «Wir müssen auch den Mut haben, im Israel-Palästina-Konflikt neue Wege zu finden.» Sie sei erstaunt über die Vorwürfe, zumal die UNWRA von einem Schweizer - Pierre Krähenbühl - geführt werde.

Der interne Untersuchungsbericht wirft ein schlechtes Licht auf die Führung des Uno-Hilfswerks. Das vertrauliche Papier lag der AFP als Kopie vor. Die Rede ist von Missmanagement und Machtmissbrauch auf höchster Ebene, bis hinauf zu Krähenbühl. Eine Stellungnahme wollte das UNRWA wegen der laufenden Ermittlungen nicht abgeben.

Die Schweiz ist eines der Geberländer der UNWRA. Das Departement für auswärtige Angelegenheiten gab gegenüber Radio SRF und nun auch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bekannt, dass die Schweiz bis zum Ende der Untersuchung kein Geld mehr an die UNWRA überweise. Der Beitrag von 22,3 Millionen Franken für 2019 sei bereits bezahlt.

Das EDA hatte nach «Gerüchten» über eine Untersuchung des internen Uno-Kontrollorgans OIOS (Office of Internal Oversight Services) die UNWRA um umgehende Information ersucht, wie es in der Stellungnahme schreibt. Am Montag wurden die Geberländer der UNWRA von Krähenbühl offiziell über die Untersuchung informiert.

Gleichzeitig habe Krähenbühl den Geberländern versichert, dass das Hilfswerk mit der Untersuchungsstelle vollumfänglich zusammenarbeiten werde. Das EDA begrüsst die Untersuchung und steht in Kontakt mit den anderen Geberländern. Aufgrund der Ergebnisse der Untersuchung will es über Massnahmen befinden.

Die Vorwürfe der internen Ermittler umfassen «sexuelles Fehlverhalten, Vetternwirtschaft, Diskriminierung und anderen Machtmissbrauch zum eigenen Nutzen, zur Unterdrückung legitimer abweichender Meinungen und zur Erlangung anderweitiger persönlicher Ziele».

Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen eine kleine Anzahl ausländischer Führungskräfte - auch gegen Krähenbühl selbst. Der UNRWA-Chef soll eine Liebesbeziehung zu einer Kollegin gehabt haben, die nach einem «äusserst schnellen» Auswahlverfahren 2015 auf einen ihm zugeordneten neu geschaffenen Beraterposten kam.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 30. Juli 2019 09:38
aktualisiert: 30. Juli 2019 12:40