Apple bläst zum Angriff aufs TV-Geschäft

9. September 2015, 21:46 Uhr
Apple-Chef Tim Cook während der Präsentation in San Francisco, unter dem Motto: es hat sich nur etwas geändert, nämlich alles.
Apple-Chef Tim Cook während der Präsentation in San Francisco, unter dem Motto: es hat sich nur etwas geändert, nämlich alles.
© KEYSTONE/AP/ERIC RISBERG
Apple hat am Mittwoch ein grösseres iPad und modernisierte iPhones vorgestellt. Doch die Präsentation in San Francisco machte auch deutlich, dass der Konzern sich ernsthaft das TV-Geschäft vornimmt. Apple will die Zukunft des Fernsehens mitbestimmen.

Der iPhone-Konzern kündigte am Mittwoch einen App Store für seine Fernseh-Box Apple TV an. "Unsere Vision für das Fernsehen ist einfach und vielleicht etwas provokant. Wir glauben, die Zukunft des TV liegt in Apps", sagte Konzernchef Tim Cook.

Wie erwartet zeigte Apple auch aufgefrischte iPhone-Modelle mit weiterentwickelter Bedienung. Ihre Displays erkennen erstmals auch die Stärke des Drucks und erlauben so neue Funktionen. Ausserdem gab es ein grösseres iPad Pro, das den schwächelnden Absatz der Apple-Tablets ankurbeln soll.

Apps und Sprachbefehle für TV-Box

Die potenziell grösste Tragweite hatten jedoch die Ankündigungen zu den Fernsehplänen mit der offenen App-Plattform. Die Transformation des TV-Geschäfts durch Apps finde bereits statt, betonte Cook in San Francisco. Als ein Beispiel nannte er Streaming-Dienste wie Netflix.

Die neue Apple-TV-Box lässt sich auch mit Sprachbefehlen steuern und kann Inhalte über verschiedene Angebote hinweg suchen. Über sie will Apple Spiele und auch Online-Shopping auf die Fernseher bringen.

Apple ist bei weitem nicht das erste Unternehmen, das Fernsehen und Internet verknüpfen will. Der Grossteil der Fernsehgeräte wird heute als "Smart-TV" mit Internet-Zugang verkauft. Ihre Bedienung im Online-Bereich wurde jedoch häufig als zu unbequem und die Chips als zu langsam kritisiert.

Zugleich sind unter anderem Amazon und Google mit eigenen TV-Boxen auf dem Markt, die ebenfalls Apps wie Spiele auf den Fernseher bringen. Das neue Apple TV ist mit einem Preis ab 149 Dollar teurer als Konkurrenzgeräte.

iPhones mit "Drucksenor"

Mit dem "3D Touch" erweitert Apple erstmals seit dem Start des ersten iPhone 2007 die Art, wie ein berührungsempfindliches Smartphone-Display bedient wird. Durch die Stärke des Drucks kann man zum Beispiel zusätzliche Informationen oder Menüs aufrufen. Auch Entwicklern von Spielen bietet das neue Möglichkeiten.

Äusserlich sehen das neue iPhone 6S und das grössere 6S plus genauso aus wie die aktuellen 6er-Modelle. Die Technik wurde jedoch stark erneuert. Zudem bestehen die Gehäuse aus einer neuen Aluminium-Legierung.

Das iPhone ist das wichtigste Produkt von Apple. Es sorgt für mehr als 60 Prozent der Erlöse und ist der Treiber für die Milliardengewinne des Konzerns. Entsprechend hoch sind die Erwartungen für das kommend Weihnachtsgeschäft.

iPads mit riesigem Bildschirm

Das neue iPad Pro hat einen deutlich grösseren Bildschirm mit einer Diagonale von 12,9 Zoll (knapp 32,8 cm). Dazu gibt es eine klappbare Tastatur und einen Eingabestift. Das grössere iPad zielt auf professionelle Nutzer wie Bildbearbeitungs-Spezialisten oder Ärzte.

Mit dem 2010 eingeführten iPad hatte Apple die totgeglaubte Gerätekategorie der Tablet-Computer zu neuem Leben erweckt. Der Konzern ist weiterhin der Marktführer. Zuletzt schwächten sich die Verkäufe jedoch ab, unter anderem weil Nutzern häufig ein grosses Smartphone ausreicht. Das iPad sei "der klarste Ausdruck unserer Vision für die Zukunft des Computers", sagte Cook.

Ausserdem stellte Apple bei dem mehr als zwei Stunden langen Event neue Software für seine Computer-Uhr vor. In die Apple Watch wird künftig auch Facebooks Kurzmitteilungsdienst Messenger integriert - das heisst, die Nachrichten können direkt von dem Gerät beantwortet werden. Ausserdem setzte Apple einen Schwerpunkt auf Gesundheitsfunktionen.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 9. September 2015 19:52
aktualisiert: 9. September 2015 21:46