Be my eyes

Blinde per «Facetime» im Alltag unterstützen

19. Januar 2020, 18:19 Uhr
Mit einer App können Blinde auf der ganzen Welt im Alltag unterstützt werden.
© iStock
Mit der App «Be my eyes» können Sehende Blinde im Alltag unterstützen. Per Videoanruf wird den Blinden beispielsweise geholfen, die richtige Milch zu kaufen oder im Kleiderschrank das rote T-Shirt zu finden. Bereits über drei Millionen Freiwillige haben sich weltweit registriert.

Ein schöner Tag in Louisiana, New Orleans, plötzlich kommt die Meldung, die Stadt müsse evakuiert werden. David ist völlig aufgeschmissen. Er ist seit 17 Jahren blind, seine Frau arbeitet und er muss für die beiden die Koffer packen, damit sie gleich losfahren können, wenn seine Frau von der Arbeit zurück kommt. Er startet die App «Be my eyes» und eine Frau namens Lizzie hilft ihm, die richtigen Kleider aus dem Schrank herauszusuchen. Im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, dass Lizzie ganz in der Nähe von ihm wohnt und es entwickelt sich eine Freundschaft.

Wenwei, eine Studentin aus Ohio, lernte mit der App zu stricken oder andere blinde User erzählen, wie sie von Menschen auf der ganzen Welt, bei ihren Reisen unterstützt werden. 

Über drei Millionen Freiwillige haben die App bereits heruntergeladen und unterstützen damit knapp 200'000 Blinde auf der ganzen Welt. Das Prinzip ist ganz einfach, wer die App heruntergeladen hat, kann von Blinden oder Sehbehinderten via Videoanruf kontaktiert werden. Die Person, die den Anruf als erstes entgegen nimmt, wird mit der blinden Person verbunden. In den Einstellungen kann eingegeben werden, in welcher Sprache man kommunizieren kann.

Von Sehbehindertem entwickelt

Für Blinde funktioniert die App mit einer VoiceOver-Einstellung. Entwickelt hat die App der Däne Hans Jørgen Wiberg aus Kopenhagen. Er leidet selbst unter einer Sehbehinderung und stellte die App das erste Mal an einem Event im April vor acht Jahren vor. «Be my eyes» ist ein Non-Profit-Start-up und der Code ist Open Source – jeder der die App verbessern will, kann das tun und in weiteren Sprachen verfügbar machen. «Ich habe die Hoffnung, dass wir als Online-Community einen Unterschied im Leben blinder Menschen rund um die Welt machen können», sagte Wiberg in einem Interview mit der «Zeit».

Wer lügt, wird ausgeschlossen

Natürlich ist die App nicht vor Missbrauch geschützt und niemand garantiert, dass die Sehenden den Blinden die Wahrheit sagen. Aber Missbräuche sollen anhand eines Bewertungssystems verhindert werden. Beide Nutzer können nach dem Videochat das Gespräch einstufen. Wer sich nicht benimmt, wird aus der App ausgeschlossen.

(abl)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Januar 2020 18:19
aktualisiert: 19. Januar 2020 18:19