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Bub verkauft: Mutter wird Urteil eröffnet

Bub verkauft: Mutter wird Urteil eröffnet

07.08.2018, 09:57 Uhr
· Online seit 07.08.2018, 09:23 Uhr
Im Freiburger Fall um einen missbrauchten und an andere Männer verkauften Knaben steht das Urteil bevor. Die Mutter des Kindes und deren Partner erwarten lange Freiheitsstrafen.
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In einem der weitreichendsten Fälle von sexuellen Kindesmissbrauch in Deutschland wird am Dienstag in Freiburg das Urteil gegen die beiden mutmasslichen Haupttäter gesprochen. Vor dem Landgericht stehen die 48 Jahre alte Mutter eines Buben und ihr 39-jähriger Lebensgefährte.

Sie hatten den heute zehn Jahre alten Buben laut ihren Geständnissen nicht nur vielfach selber missbraucht, vergewaltigt und misshandelt, sondern ihn auch an andere Männer verkauft. Die Mutter und ihr einschlägig vorbestrafter Partner, beide Deutsche, haben die Taten vor Gericht eingeräumt.

Beide erwarten lange Freiheitsstrafen. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Frau vierzehneinhalb Jahre Gefängnis und den Mann dreizehneinhalb Jahre. Zudem wurde für ihn die Sicherungsverwahrung beantragt - auf ausdrücklichen Wunsch des 39-Jährigen auch seitens seiner Verteidigerin. Angeklagt waren jeweils knapp 60 Taten, darunter auch der Missbrauch einer Dreijährigen.

Das Paar vermarktete den damals in Staufen bei Freiburg lebenden Knaben im Darknet - einem anonymen Bereich des Internet - auch an Freier aus dem In- und Ausland. Die an dem Kind begangenen schweren Sexualstraftaten wurden gefilmt und im Netz in einschlägigen Foren getauscht.

Sie zeigen neben den Vergewaltigungen auch Erniedrigungen, Misshandlungen und Beschimpfungen des Opfers. Der Bub wurde maskiert und gefesselt. Die Sichtung der Fotos und Filme sowie das Ausmass des Falles hatte sowohl Ermittler wie auch die am Prozess Beteiligten eigenen Angaben zufolge an ihre Grenzen gebracht.

In dem Fall gab es insgesamt acht Festnahmen und Anklagen. Zum einen lieferten viele Filmaufnahmen den Ermittlern wichtige Beweise. Zum anderen konnten mutmassliche Mittäter vor allem auch wegen der umfangreichen Aussagen des Lebensgefährten der Mutter verhaftet und vor Gericht gestellt werden. Neben dem Paar waren in dem Fall sechs Männer angeklagt, darunter ein Schweizer und ein Spanier.

Das Rätsel des Prozesses blieb die Rolle der Mutter. Sie hatte im Gegensatz zu ihrem Freund nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt, aber Beobachtern zufolge wenig zu ihren Motiven für die vielen Missbrauchstaten am eigenen Kind erklärt.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte ihr kaum ausgeprägte Fähigkeit zum Mitgefühl attestiert. Sie sei bereit gewesen, ihr Kind zu opfern und habe ihre eigenen Interessen über die ihres Kindes gestellt. Dass sie ihrem Freund hörig gewesen sei, wie es die Frau glauben machen wollte, verneinte der Gutachter.

Nicht nur grausame Verbrechen kamen ans Licht, sondern auch Versäumnisse seitens Familiengerichten und Behörden. Sie hatten wichtige Informationen nicht weitergegeben und aneinander vorbei gearbeitet, ohne sich auszutauschen.

So war das das Kind zwar einige Monate vor der Verhaftung des Paares aus der Familie genommen worden. Kurz darauf kam es aber wieder zurück zur Mutter. Die Familiengerichte hatten dabei weder das Kind befragt noch ihm einen Verfahrensbeistand an die Seite gestellt.

Dass mit dem 39-Jährigen ein vorbestrafter Pädokrimineller unter einem Dach mit dem Buben lebte, entging den Behörden ebenfalls; das Kontaktverbot des Mannes zu Kindern und Jugendlichen wurde nicht überwacht.

Hinweise der Schule zu einem möglichen Missbrauch des Kindes wurden vom Jugendamt als zu vage eingestuft, die Behörde behielt die Informationen der Schule für sich. Eine Aufarbeitung der Fehler läuft. Auch auf Landesebene wird dazu eine Arbeitsgruppe gebildet.

Das Kind lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie. Von ihm ist wenig bekannt, ausser, dass es ihm nach Worten seiner Anwältin den Umständen entsprechend gut geht. Eine Aussage vor Gericht blieb ihm erspart.

veröffentlicht: 7. August 2018 09:23
aktualisiert: 7. August 2018 09:57
Quelle: SDA

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