Für Beerdigung und Rettung

Bürgermeister will von Mont-Blanc-Besteigern 15'000 Euro Kaution

5. August 2022, 12:03 Uhr
Ärger am Mont Blanc: Weil sich Hobby-Alpinisten nicht an die Warnungen halten, greift nun der Bürgermeister von der französischen Gemeinde Saint-Gervais zu Massnahmen. Nebst der Schliessung von Alphütten schwebt ihm auch eine saftige Kaution vor – für die Bestattung und Rettung der Berggänger.

Weil Hobbyalpinisten trotz aktueller Warnungen immer wieder den Aufstieg zum Mont Blanc vom französischen Saint-Gervais starten, hat der Bürgermeister der Gemeinde die Schliessung von Berghütten angeordnet.

Die Hütten Tête Rousse und Goûter sollten bis auf weiteres zu sein, teilte Bürgermeister Jean-Marc Peillex am Freitag mit. «Wie traurig, von einigen Haudegen, die weder Gott noch Gebot kennen, dazu gezwungen zu werden, eine Entscheidung zu treffen, die nicht notwendig sein sollte», schrieb Peillex.

Steinschläge von der Grösse eines Autos

Bereits seit Mitte Juli rät der Ort in Rücksprache mit der Präfektur wegen Steinschlägen von Aufstiegen zum Mont Blanc ab. Bergführer aus Chamonix und Saint-Gervais begleiten Peillex zufolge seitdem auch keine Touren mehr auf den höchsten Gipfel der Alpen. Peillex sagte im französischen Sender RMC, der Berg donnere, es gebe Felsen gross wie Autos, die sich lösten. Das Problem: Einigen Alpinisten sei es egal, was Präfektur und Bürgermeister sagten, sie versuchten trotz Warnung den Mont Blanc zu erklimmen. «Sie wähnen sich in einem Videospiel.»

Kaution für «Rettung und Bestattung»

Der sichtlich aufgebrachte Peillex, dem schlecht vorbereitete Alpinisten schon länger ein Dorn im Auge sind, würde am liebsten eine saftige Kaution von diesen Bergsteigern einkassieren. Für einen «Aufstieg mit dem Tod im Gepäck» sollten seiner Meinung nach 15'000 Euro (etwa 14'649 Franken) einbehalten werden, um Kosten für Rettung und Grabstätte abzudecken. Dass französische Steuerzahler im Zweifel dafür aufkämen, sei nicht hinnehmbar, schrieb er unlängst. Peillex schrieb aber auch, dass dies wohl juristisch nur schwer durchzusetzen wäre.

Italiener halten nichts von Idee

Der Gipfel kann aber auch über den Ratti-Weg von der italienischen Seite her bestiegen werden. Roberto Rota, der Bürgermeister der Ortschaft Courmayeur am italienischen Fuss des Berges, will hingegen den Zugang zum Berg nicht erschweren. Gegenüber dem «Guardian» sagt er: «Der Berg ist kein Eigentum.» Und weiter: «Wir als Verwalter können uns darauf beschränken, suboptimale Bedingungen entlang der Routen zu melden, aber eine Kaution zu verlangen, um den Gipfel zu besteigen, ist wirklich surreal.»

(jaw/sda)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 5. August 2022 12:03
aktualisiert: 5. August 2022 12:03
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