Klimawandel

Decke aus Gestein schützt Gletscher besser als vermutet

6. August 2020, 11:28 Uhr
Blick auf den Aletschgletscher im Kanton Wallis.
© Keystone
Eine neue Studie liefert Schätzungen, welche Gletscherflächen weltweit von Schutt bedeckt sind. Sie könnten deshalb langsamer schmelzen als angenommen. Bisher sei dieser Faktor vernachlässigt worden.

(sku) Wenn Gletscher schrumpfen, legen sie die umgebenden Berghänge frei, von denen Gesteinsschutt abrutscht und sich auf den Gletscheroberflächen ansammelt. Weil diese Trümmer eine Schutzschicht bilden, können sie das Schmelzen des Gletschereises hinauszögern. Diese Wirkung ist zwar bekannt, bis anhin aber noch nie sorgfältig kartiert worden. Wie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) am Donnerstag mitteilte, legt eine neue Studie nun offen, wo sich Gesteinsschutt auf den Gletschern der Erde befindet.

Demnach sind mehr als 29'000 Quadratmeter des weltweiten Gebirgsgletschergebietes mit Gesteinsschutt bedeckt. Das entspricht der Hälfte aller Gletscher. Oftmals befinde sich diese Schutzdecke zudem am Ende eines Gletschers, wo jener normalerweise am stärksten schmelze. Weil die Schmelze durch die isolierende Gesteinsdecke verlangsamt werde, hätten bisherige Vorhersagen wahrscheinlich das wahre Ausmass der Gletscherschmelze, des Wasserabflusses und folglich deren Beitrag zum globalen Meeresspiegelanstieg überschätzt. Für ein Zehntel der Gletscherfläche muss die Schmelze gemäss der neuen Studie neu abgeschätzt werden – laut den Forschenden eine «alarmierend hohe Zahl».

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 6. August 2020 11:22
aktualisiert: 6. August 2020 11:28