Ukraine-Krieg

Der erste Vergewaltigungsprozess findet ohne den Angeklagten statt

23. Juni 2022, 18:46 Uhr
Ein russischer Soldat soll eine ukrainische Zivilistin mehrfach vergewaltigt haben. Nun kommt der 32-Jährige vor Gericht. Der Haken: Der Angeklagte befindet sich gar nicht in Haft.
Michail R. wird in der Ukraine trotz Abwesenheit derzeit der Prozess gemacht.
© Twitter/@VenediktovaIV

Gegen einen russischen Soldaten hat am Donnerstag in der Ukraine der allererste Gerichtsprozess wegen Vergewaltigung begonnen. Michail R. (32) soll sich nahe Kiew an einer ukrainischen Zivilistin vergangen haben, nachdem er deren Ehemann erschossen haben soll. In den Tagen danach sollten zwei weitere Vergewaltigungen folgen – an derselben Frau. Dies berichtet der «Blick». Nebst R. soll ein weiterer Soldat in die Taten involviert gewesen sein.

Gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) schilderte das Opfer die traurigen Ereignisse, die Beweislage scheint klar. Dass eine Verurteilung gegen R. tatsächliche Konsequenzen für ihn mit sich ziehen wird, ist dennoch unwahrscheinlich: R. befindet sich nämlich gar nicht in ukrainischem Gewahrsam.

Hohe Dunkelziffer ist zu befürchten

«Wir wissen nicht, wo Michail R. jetzt ist - vielleicht kämpft er noch, vielleicht ist er in Russland, vielleicht ist er tot», sagte die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa bei der Ankündigung des Prozesses Ende Mai. Auf Twitter enthüllte sie gar die Identität des Angeklagten. Dennoch wolle man ihn in Abwesenheit zur Rechenschaft ziehen. So wie R. würden sich viele andere Kriegsverbrecher in Freiheit befinden.

Ein anderer ukrainischer Staatsanwalt, der sich mit Fällen von sexueller Gewalt befasst, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur «Reuters», dass bis zu 50 solcher Verbrechen untersucht würden. Die Dunkelziffer solcher Fälle sei wahrscheinlich aber sogar viel höher.

(mhe)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 23. Juni 2022 18:43
aktualisiert: 23. Juni 2022 18:46
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