Fragen und Antworten

Deshalb schickt der Westen keine Truppen in die Ukraine

25. Februar 2022, 14:02 Uhr
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete am Donnerstagmorgen über 130 Todesopfer. Der Westen reagiert mit Sanktionen auf Putins Angriffe und hat Kampfjets und Kriegsschiffe in Alarmbereitschaft versetzt, allerdings nur um Nato-Gebiete zu schützen. Die Ukraine gehört nicht zur Nato. Ist sie sich selbst überlassen? Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine.
Eine US-Militärmaschine in Rheinland-Pfalz: Die Nato will die Ost-Flanke verstärken, aber keine Truppen in die Ukraine schicken.
© KEYSTONE/DPA/Boris Roessler

«Wir verteidigen den Frieden in unserem Land. Wir brauchen internationale Unterstützung», schreibt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitagmorgen.

Unterstützung aus dem Westen gibt es derzeit in Form von Sanktionen.

Welche Sanktionen haben die Länder beschlossen?

EU: Die EU-Staats- und Regierungschefs haben ein Sanktionspaket verabschiedet, das die Bereiche Energie, Finanzen und Transport betrifft. Dieses soll am Freitag in Kraft treten. Bei den Finanzen geht es darum, Banken und staatliche Unternehmen von den EU-Finanzmärkten abzuschneiden. Sie sollen sich in der EU in Zukunft kein Geld mehr ausleihen und auch kein Geld mehr verleihen können. Auch die Aktien sollen nicht mehr in der EU gehandelt werden dürfen. Bei den Sanktionen gegen den Transportsektor geht es vor allem darum, die russische Luftfahrtbranche von der Versorgung mit Ersatzteilen und anderer Technik abzuschneiden. Dadurch können Flotten stillgelet werden. Auch gegen Belarus sollen weitere Strafmassnahmen vorbereitet werden.

USA: Vier russische Banken werden vom US-Finanzsystem abgeschnitten, die zusammen rund ein Drittel der russischen Vermögen haben, sagte US-Präsident Joe Biden am Donnerstag. Darunter sei auch Russlands zweitgrösstes Institut, die VTB Bank. Die Banken würden damit vom US-Finanzmarkt und Geschäften in US-Dollar ausgeschlossen. Zudem wollen die USA weitere 7000 Soldaten nach Deutschland verlegen als Teil der Nato-Reaktion.

Schweiz: Laut Wirtschaftsminister Guy Parmelin übernimmt die Schweiz die ersten von der EU erlassenen Sanktionen gegen russische Personen und Unternehmen direkt. Es handle sich um eine Liste von 367 Einträgen. Diese Personen dürfen beispielsweise nicht mehr in die Schweiz einreisen.

Die Finanzsanktionen verbieten laut Parmelin beispielsweise Banken oder Versicherungen in der Schweiz, mit sanktionierten Personen neue Geschäftsbeziehungen einzugehen. Schon bestehende Konten und Verbindungen müssten dem Bund gemeldet werden.

China: China hat es bisher vermieden, Moskau zu kritisieren und hat auch keine Sanktionen beschlossen. Das Aussenministerium teilt mit, dass durch Dialog und Verhandlungen ein «ausgewogener, effektiver und nachhaltiger Sicherheitsmechanismus in Europa geschaffen werden soll».

Weshalb schickt der Westen keine Truppen in die Ukraine?

Die USA und auch die Nato haben mehrfach deutlich gemacht, dass es keine westliche Militäraktion gibt, da dadurch ein noch grösserer Krieg zwischen der Nato und Russland ausgelöst werden könnte. Da die Ukraine kein Mitglied der Nato ist, kann sie auch keinen Beistand beantragen. Zudem sei Russland eine Atommacht und Atommächte haben normalerweise keinen Angriff zu befürchten. Die Nato sei aber in Alarmbereitschaft und werde eingreifen, sobald ein Mitgliedstaat bedroht ist. Auch haben mehrere Länder Waffen in die Ukraine geschickt.

Was kann die Ukraine tun?

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ordnete in einem Dekret eine allgemeine Mobilmachung an. Das heisst, alle Wehrpflichtigen und Reservisten wurden für die nächsten 90 Tage einberufen. Somit dürfen alle männlichen Staatsbürger im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land nicht verlassen. Auch seien bereits Waffen an die Bevölkerung verteilt worden, damit diese das Militär unterstützen kann. Dem ukrainischen Militär ist es gemäss Medienberichten ausserdem gelungen, einzelne russische Kampfjets abzuschiessen.

Wie stark ist Russland der Ukraine militärisch überlegen?

Eine Auflistung des Datenportals Statista der Militärstärke zeigt, dass Russland deutlich im Vorteil ist.

Militärisches Personal: Während Russland rund 1,3 Millionen an militärischem Personal zur Verfügung hat, hat die Ukraine weniger als die Hälfte: Rund 500'000.

Kampfflugzeuge: Russland hat fast 800 Kampfjets während die Ukraine rund 70 hat.

Panzer: Russland besitzt über 12'000 Panzer, die Ukraine rund 2500.

Atomwaffen: Die Ukraine verfügt immer noch über sowjetische Nukleartechnologien und Trägersysteme für Atomwaffen. Gemäss der internationalen Atomenergiebehörde IAEA gibt es aber keinerlei Belege dafür, dass in der Ukraine Atomwaffen hergestellt werden. Russland ist das Land mit den meisten nuklearen Sprengköpfen weltweit, gefolgt von den USA. Gemäss Statista hat Russland rund 6200 nukleare Sprengköpfe, die USA 5500.

Was hat Russland vor?

Wie die russische Regierung gegenüber der russischen Agentur «Tass» sagt, würden die Sanktionen des Westens das Land nicht gross treffen. Russland verfüge über genügend Ressourcen, um die Stabilität des Finanzsystems trotz Sanktionen und Drohungen zu gewährleisten.

Die USA befürchten, dass Russland im Zuge des Angriffs die Regierung in Kiew stürzen will. Das würde die Marschbewegung des Militärs zeigen. Die russischen Streitkräfte hätten «die Absicht, die Regierung zu entmachten und ihre eigene Regierungsform zu installieren, was diese ersten Schritte in Richtung Kiew erklären würde», sagte ein führender Vertreters des US-Verteidigungsministeriums am Donnerstag einer Mitschrift des Pentagons zufolge.

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Quelle: CH Media Video Unit / Katja Jeggli

Was kommt nach der Ukraine? 

Dass Russland nach der Ukraine noch weitere Staaten angreifen wird, sei unwahrscheinlich sagt beispielsweise der deutsche Politikwissenschaftler Carlo Masala im deutschen Fernsehen ZDF: «Putin geht es um die Ukraine, würde er ein Nato-Mitglied angreifen, befände er sich im Krieg mit der Nato und daran hat Putin keinerlei Interesse.» Ausserdem würden die zusammengezogenen Soldaten klar auf die Ukraine ausgerichtet sein. Weitere Angriffe müssten lange vorbereitet werden.

Die aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine findest du im Liveticker.

(abl)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 25. Februar 2022 08:58
aktualisiert: 25. Februar 2022 14:02
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