Kinderrechtskomittee

Diese Folgen hat Gretas Beschwerde

Vanessa Kobelt, 24. September 2019, 14:22 Uhr
Gemeinsam mit amerikanischen Jugendlichen demonstriert Klimaaktivistin Greta Thunberg (Mitte, blaue Jacke) vor dem Weissen Haus in Washington für mehr Klimaschutz.
Greta Thunberg (Mitte) und 15 weitere Kinder reichen Beschwerde vor den Vereinten Nationen ein.
© KEYSTONE/AP/SUSAN WALSH
Greta Thunberg und 15 weitere Kinder haben eine offizielle Beschwerde beim UN-Kinderrechtskomitee eingereicht. Die Staaten täten zu wenig gegen die Klimakrise und verstiessen so gegen die Kinderrechte. Wir erklären euch, was das bedeutet.

16 Kinder und Jugendliche aus zwölf verschiedenen Ländern – unter ihnen Greta Thunberg – haben am Dienstag bekannt gegeben, dass sie eine offizielle Beschwerde beim UN-Kinderrechtskomitee eingereicht haben. Darin werfen sie Staaten vor, dass sie zu wenig gegen die Klimakrise tun und damit gegen die weltweit gültigen Kinderrechte verstossen. 

«Ein absoluter Meilenstein»

Dass Kinder, die in ihren Rechten verletzt sind, eine Beschwerde beim UNO-Kinderrechtsausschuss einlegen können, ist erst seit ein paar Jahren möglich. «Völkerrechtlich ist dies ein absoluter Meilenstein», sagt Jürg Keim, Mediensprecher Unicef Schweiz und Liechtenstein, gegenüber FM1Today. «Es ist der bisher prominenteste Fall, in dem Kinder die Beschwerdemöglichkeit an höchster Stelle nutzen.» Gemeinsam mit der 16-jährigen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg bringen Kinder und Jugendliche aus Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Indien, den Marschallinseln, Nigeria, Palau, Südafrika, Schweden, Tunesien und den USA die Beschwerde vor. 

Kinder müssen geschützt werden

Die 16 Mädchen und Buben im Alter zwischen 8 und 17 Jahren werfen den Mitgliedsstaaten vor, dass ihr Versagen beim Bewältigen der Klimakrise gegen die Kinderrechte verstosse. Sie fordern das unabhängige UN-Kinderrechtsgremium dazu auf, die Mitgliedsstaaten zum Handeln zu bringen, um Kinder vor den verheerenden Auswirkungen der Klimakrise zu schützen. «Der Wandel muss jetzt passieren, wenn wir die schlimmsten Konsequenzen vermeiden wollen. Die Klimakrise ist nicht nur das Wetter. Sie bedeutet auch Mangel an Nahrung und Mangel an Wasser, unbewohnbare Orte und dadurch Flüchtlingsbewegungen. Es ist beängstigend», sagt Greta Thunberg. 

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Quelle: CH Media Video Unit

Beschwerde könnte abgelehnt werden

Als nächster Schritt wird die Beschwerde von der zuständigen Behörde geprüft. Man könne jetzt noch nicht sagen, ob sie auch gutgeheissen wird, sagt Keim. «Es könnte natürlich formale Schwierigkeiten geben, zumal erst alle anderen rechtlichen Wege hätten ausgeschöpft werden müssen.» Dauere dies aber zu lange, und würden die Kinderrechte in der Zeit noch mehr verletzt, gebe es wiederum Ausnahmen.

Eine weitere Taktik

Egal ob die Beschwerde gutgeheissen wird oder nicht, Auswirkungen hat sie laut Jürg Keim sowieso. «Ich vermute, dies ist eine weitere Taktik der Jugendlichen, um die Regierungen und Unternehmen zu einem Umdenken zu bewegen. Wird die Beschwerde abgelehnt, würden sich wieder diejenigen mit juristischen Kniffs aus der Verantwortung ziehen, die eigentlich Verantwortung übernehmen müssten.»

Jugend muss mehr einbezogen werden

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, unterstützt die Kinder und Jugendlichen dabei, ihr Anliegen vorzubringen, ist aber nicht Unterstützer der Beschwerde. Unicef ist neutral und spielt im Entscheidungsprozess des UN-Kinderrechtsausschusses keine Rolle. Trotzdem: «Für uns ist es etwas vom wichtigsten, dass die Jugend am gesellschaftlichen Diskurs teilnimmt. Ich denke, es ist unglaublich wichtig, dass die Regierungen sehen, dass man die Jugend in umweltpolitischen Fragen mehr einbeziehen muss», sagt Jürg Keim. 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 24. September 2019 12:14
aktualisiert: 24. September 2019 14:22