Donald Trump zieht ins Weisse Haus ein

9. November 2016, 16:37 Uhr
Hillary Clinton hat dem zum US-Präsidenten gewählten Donald Trump am Mittwoch in New York ihre Zusammenarbeit zum Wohle der USA angeboten. Natürlich sei das Wahlergebnis nicht das erwünschte, räumte sie weiter ein.
Hillary Clinton hat dem zum US-Präsidenten gewählten Donald Trump am Mittwoch in New York ihre Zusammenarbeit zum Wohle der USA angeboten. Natürlich sei das Wahlergebnis nicht das erwünschte, räumte sie weiter ein.
© Keystone/AP/ANDREW HARNIK
Der wohl härteste und schmutzigste Wahlkampf der US-Geschichte endet in einer faustdicken Überraschung: Mit Donald Trump übernimmt ein höchst umstrittener Populist das Schaltzentrum der Supermacht Amerika.

Mit seinem Triumph über Hillary Clinton widerlegte der als Aussenseiter ins Rennen gegangene Populist die meisten Umfragen. In seiner Dankesrede sagte Trump am Mittwochmorgen vor Anhängern in New York, er wolle das - tief gespaltene - Land nun einen.

Nachricht an andere Staaten

«Wir werden uns mit allen anderen Ländern verstehen, die willens sind, sich mit uns zu verstehen», sagte er weiter. Trump zollte Clinton Respekt und würdigte ihre Verdienste. Das Land müsse ihr dankbar sein, sagte er über die Ex-Aussenministerin, mit der er sich einen beispiellos aggressiven Wahlkampf geliefert hatte.

Die Demokratin äusserte sich öffentlich zunächst nicht zu ihrer Niederlage, räumte sie nach CNN-Angaben aber in einem Telefonat mit Trump ein. Ihre politische Karriere dürfte damit beendet sein. Auch US-Präsident Barack Obama gratulierte nach CNN-Informationen seinem Nachfolger Trump. Beide wollten sich am Donnerstag treffen, hiess es weiter.

Die Wahlnacht in den USA entwickelte sich zur extremen Zitterpartie. Letztlich konnte Trump die meisten umkämpften Wechselwählerstaaten wie Florida und Ohio für sich entscheiden. Vor allem im industriell geprägten Nordosten des Landes, dem einst florierenden und inzwischen vom wirtschaftlichen Abschwung gebeutelten «Rostgürtel», konnte Clinton nicht wie erwartet punkten.

Politische Erfahrung fehlt

Nach vorläufigen CNN-Angaben (Stand 12.30 Uhr MEZ) brachte Trump so mindestens 289 Wahlleute hinter sich. Clinton kam demnach nur auf 218, nötig sind 270. Trump wird bei seinem Amtsantritt der älteste neu vereidigte US-Präsident sein - und der erste seit Dwight D. Eisenhower ohne politische Amtserfahrung.

Beim Regieren kann er sich nach seiner Vereidigung am 20. Januar auf die republikanische Mehrheit in Senat und Abgeordnetenhaus stützen. Die Konservativen verteidigten ihre Dominanz in beiden Kongresskammern. Dem Präsidenten Trump eröffnet dies weitreichende Möglichkeiten - nicht nur in der Gesetzgebung, sondern beispielsweise auch bei der folgenreichen Neubesetzung des Supreme Courts.

Im Rest der Welt wird Trumps Sieg mit grosser Sorge gesehen. Völlig unklar ist bislang, was er für das bislang so enge Verhältnis der USA zu ihren Partnern in Europa und innerhalb der NATO bedeutet. Im Wahlkampf hat Trump angekündigt, den Verbündeten mehr abzuverlangen.

Putin gratuliert schnell

Fraglich ist auch, ob der im Wahlkampf vom Kreml und russischen Medien hofierte Republikaner die Abschreckungspolitik der NATO gegenüber Moskau unterstützt. Russlands Präsident Wladimir Putin gratulierte ihm als einer der ersten Staatschefs und äusserte die Hoffnung auf bessere Beziehungen zwischen beiden Atommächten.

Befürchtet wird, dass Trump nun hart erarbeitete Vereinbarungen wie den Pariser Klimavertrag und bestehende Freihandelsvereinbarungen aufkündigt. Für den umstrittenen Handelspakt TTIP könnte sein Sieg der Sargnagel sein. Der Iran forderte Trump bereits auf, sich an das internationale Atom-Abkommen zu halten.

Die Präsidenten des EU-Rats und der EU-Kommission luden Trump in einem Glückwunschschreiben zu einem baldigen Gipfeltreffen in Europa ein. «In diesen Tagen ist es wichtiger denn je, die transatlantischen Beziehungen zu stärken», schreiben sie.

Trumps Sohn Barron bei der Siegesrede seines Vaters

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Schweiz reagiert verhalten

Die Schweiz wolle mit der neuen US-Regierung konstruktiv zusammenarbeiten, sagte Bundesrat Didier Burkhalter dem Westschweizer Radio. Man wolle weiter auf Freihandel setzen - der von Trump angekündigte Protektionismus und neue Zölle seien nicht im Interesse der Schweiz.

Die meisten europäischen Politiker erwarten schwierigere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Rechtspopulisten hingegen wie die Französin Marine Le Pen und die deutsche AfD-Politikerin Beatrix von Storch gratulierten Trump, genau wie der rechtskonservative ungarische Ministerpräsident Viktor Orban.

Trump hatte mit populistischen Parolen Wahlkampf gemacht. Er wetterte gegen Einwanderer und Muslime, kritisierte ungestrafte Abtreibung und lehnte die Einschränkung des Rechts auf Waffenbesitz ab.

Seine Stimmungsmache verfing offensichtlich stärker, als es Meinungsforscher vorausgesehen hatten. Die Märkte reagierten auf Trumps Wahlsieg mit starken Kursschwankungen.

Noch nie in der Geschichte der US-Wahlen waren zwei Kandidaten so unbeliebt: Trump wegen seiner Art und seiner Ausfälle, Clinton wegen ihrer Skandale und ihrer Nähe zum bestehenden System. Fakten und Inhalte spielten im Kampf um das Weisse Haus kaum eine Rolle.

(SDA)

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veröffentlicht: 9. November 2016 14:15
aktualisiert: 9. November 2016 16:37