In Einkaufsstrasse

Erste Festnahme nach Bombenanschlag in Istanbul

14. November 2022, 06:27 Uhr
Nach dem Bombenanschlag in der türkischen Metropole Istanbul mit sechs Todesopfern und über 80 Verletzten haben die Behörden nach eigener Darstellung die Person festgenommen, die die Bombe auf der Einkaufsstrasse Istiklal hinterlegt haben soll. Es solle Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK geben. Innenminister Süleyman Soylu kündigte laut des staatlichen Senders TRT Vergeltung an.

Quelle: CH Media Video Unit / Robin Luijten

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Die türkische Regierung hatte zuvor von einer verdächtigen Frau gesprochen. Auf Videos sei zu sehen, dass die Frau etwa 40 Minuten lang auf einer Bank auf der Einkaufsstrasse gesessen habe und kurz vor der Detonation aufstand, so Justizminister Bekir Bozdag.

Bei dem Anschlag am Sonntagnachmittag starben nach offiziellen Angaben mindestens sechs Menschen, weitere 81 wurden verletzt. Vizepräsident Fuat Oktay sprach am Abend von einem «Terroranschlag». Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem «hinterhältigen Anschlag» auf die Metropole, in der rund 16 Millionen Menschen leben.

Touristischer Hotspot

Die Explosion trug sich Erdogan zufolge um 16.20 Uhr Ortszeit zu. Auf Aufnahmen, die über die sozialen Medien verbreitet wurden, war ein Feuerball inmitten der belebten Strasse zu sehen. Der Knall der Explosion war noch in anliegenden Vierteln zu hören. Blutüberströmte Menschen lagen reglos auf dem Boden, Scheiben zerborsten, wie auf Bildern zu sehen war.

Die Einkaufsstrasse Istiklal ist ein touristischer Hotspot im Zentrum des europäischen Teils der türkischen Metropole, auf der auch am Sonntag häufig grosses Gedränge herrscht. Ob Schweizer oder Angehörige anderer Nationen unter den Opfer waren, war zunächst unklar.

Ermittlungen laufen

Rettungskräfte und Polizei seien in grosser Zahl vor Ort im Einsatz, berichtete der staatliche Sender TRT. Hubschrauber überflogen den Stadtteil Beyoglu und angrenzende Bezirke am frühen Abend. Kommunikationsminister Fahrettin Altun erklärte, die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat liefen. Erdogan sagte, Aufnahmen von Überwachungskameras vor Ort würden ausgewertet. Eine Frau spiele möglicherweise eine Rolle bei dem Anschlag, sagte er, ohne Details zu nennen. Die Täter würden bestraft werden, versicherte Erdogan.

In türkischen Medien wurde kurz nach dem Unglück vorerst nicht über die Explosion berichtet. Die Rundfunkbehörde Rtük verhängte eine vorläufige Nachrichtensperre für Medien. Berichte über die Explosion sollten vermieden werden, um nicht für Angst und Panik in der Bevölkerung zu sorgen, hiess es in dem Schreiben am Nachmittag. Die Sender CNN Türk und TRT etwa unterbrachen daraufhin ihre Berichte über die Explosion auf der beliebten Einkaufsmeile. Die Behörde für Informationstechnologie und Kommunikation (BTK) reduzierte am Abend Berichten zufolge zudem die Bandbreite für Social-Media-Plattformen. Für Nutzer bedeutete das, dass Seiten deutlich langsamer oder nur noch via VPN erreichbar waren.

Mehrere Anschläge in den vergangenen Jahren

In der Türkei ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Anschlägen gekommen – auch im Zentrum Istanbuls. 2016 hatte sich etwa ein Selbstmordattentäter auf der Istiklal in die Luft gesprengt und vier Menschen getötet, 39 weitere wurden verletzt. Nach Angaben der türkischen Regierung hatte der Attentäter Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Gruppe selbst bekannte sich damals nicht zu der Tat.

Im selben Jahr waren bei einem Selbstmordattentat des IS im historischen Zentrum Istanbuls zwölf Deutsche getötet worden. Auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verübt immer wieder Anschläge in der Türkei.

Quelle: sda
veröffentlicht: 14. November 2022 06:24
aktualisiert: 14. November 2022 06:27