Affäre Weinstein

Erste Juroren im Weinstein-Prozess bestimmt

17. Januar 2020, 05:52 Uhr
Der frühere US-Filmproduzent Harvey Weinstein steht seit dem 6. Januar in New York wegen mutmasslichen Sexualdelikten vor Gericht. (Archivbild)
© KEYSTONE/AP/BM
Im Prozess gegen den ehemaligen Filmmogul Harvey Weinstein wegen Sexualverbrechen sind die ersten von insgesamt zwölf Juroren bestimmt worden. Das Supermodel Gigi Hadid wird laut US-Medienberichten nicht dazu gehören.

Das Gericht in Manhattan berief am Donnerstag sieben New Yorker, vier Männer und drei Frauen, aus einem Pool von mehr als 100 Menschen in die Jury des aufsehenerregenden Prozesses. Insgesamt wird die Jury aus zwölf Personen sowie sechs Ersatzjuroren bestehen. Die Auswahl wird am Freitag fortgeführt.

Richter James Burke richtete dabei deutliche Worte an die Anwesenden: Der Prozess sei kein Referendum über die MeToo-Bewegung oder Frauenrechte, mahnte er. Die Entscheidung der Jury dürfe nur auf den Beweisen, die im Gericht präsentiert werden, beruhen.

Das US-Model Gigi Hadid wurde zuvor Berichten zufolge als potenzielle Jurorin ausgeschlossen. Es wurde gemutmasst, dass ihr Status als bekannte Persönlichkeit der Verhandlung schaden könnte.

Vorwürfe zweier Frauen

Am Montag hatte Hadid bei Gericht angegeben, Weinstein zu kennen. Die Frage von Richter Burke, ob sie dennoch eine faire und unvoreingenommene Geschworene sein könne, bejahte sie. «Ich denke, ich bin trotzdem in der Lage, den Fakten gegenüber offen zu sein», sagte Hadid, die schon für Marken wie Chanel und Victoria's Secret über den Laufsteg gegangen ist.

Der Prozess gegen Weinstein hatte am 6. Januar begonnen, nach der Auswahl der Jury soll es am 22. Januar mit den Auftaktplädoyers erstmals um Inhaltliches gehen. In dem Prozess gegen Weinstein geht es um die Vorwürfe von zwei Frauen: Der heute 67-Jährige soll eine von ihnen 2006 zum Oral-Sex gezwungen haben, die andere soll er 2013 vergewaltigt haben.

Die Verteidigung des Multimillionärs versuchte am Donnerstag erneut, den Richter von der Verlegung der Verhandlung ausserhalb von New York City zu überzeugen. In einem Antrag vom Vortag führte sie die «karnevalhafte» Atmosphäre, unter anderem wegen Anti-Weinstein- Kundgebungen vor dem Gericht, an. Dies und der grosse Medienauflauf könnten die Unvoreingenommenheit der Jury beeinflussen. Der Richter wies das zurück.

Lebenslange Haft

Der Prozess soll insgesamt mehr als zwei Monate dauern. Bei einer Verurteilung droht Weinstein eine lebenslange Haftstrafe. In Kalifornien ist ein weiterer Strafprozess angekündigt. Insgesamt hatten mehr als 80 Frauen Weinstein in den vergangenen Jahren sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Die Anschuldigungen lösten die MeToo-Bewegung aus. Überall auf der Welt erkannten Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der mutmasslichen Weinstein-Opfer wieder und begannen, sie unter dem Schlagwort «Me too» («Ich auch») zu sammeln.

Quelle: sda
veröffentlicht: 17. Januar 2020 04:05
aktualisiert: 17. Januar 2020 05:52