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Myanmar

Erster Journalist seit Putsch in Myanmar zu Haftstrafe verurteilt

13. Mai 2021, 16:40 Uhr
Myanmarische Demonstranten die in Taiwan leben, tragen rot bemalte Handschuhe und zeigen den symbolischen Drei-Finger-GruSS bei einem Protest gegen das Militärregime in Myanmar.(Symbolbild)
© Keystone/AP/Chiang Ying-Ying
Erstmals seit dem Putsch in Myanmar vor gut drei Monaten ist ein Journalist wegen seiner Berichte über die Proteste gegen die Militärjunta zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Reporter und Familienvater Min Nyo müsse für drei Jahre in Haft, teilte sein Sender Democratic Voice of Burma (DVB, Demokratische Stimme Birmas), am Donnerstag mit. DVB und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) forderten von den Militärs die sofortige Freilassung des Journalisten.

Seine Verurteilung sei nach einem Strafgesetz aus der Kolonialzeit erfolgt, schrieb AI weiter. Nach Artikel 505(a) sei es demnach unter anderem eine Straftat, Berichte zu veröffentlichen mit der Absicht, Militärangehörige zur Meuterei anzustiften, schrieb AI weiter. Das Militär nutze dieses Gesetz oft, um Journalisten und Aktivisten zu verfolgen. Min Nyo war DVB zufolge am 3. März bei Protesten in der Stadt Pyay nördlich von Yangon festgenommen, «brutal geschlagen» und schwer verletzt worden. Die Militärjunta entzog bisher acht unabhängigen Medien die Lizenzen, darunter auch DVB.

Das Militär in dem südostasiatischen Land hatte am 1. Februar geputscht und die de facto Regierungschefin Aung San Suu Kyi entmachtet. Seither versinkt Myanmar in Chaos und Gewalt. Die Armee versucht, jeden Widerstand brutal zu unterdrücken. Nach Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP sind seit dem Umsturz mindestens 785 Menschen getötet worden. Mehr als 4900 wurden inhaftiert, davon befinden sich etwa 3880 nach wie vor in Haft. Für mindestens 1600 Menschen wurden Haftbefehle erlassen.

Die Proteste gegen die Machtübernahme der Militärs gingen auch am Donnerstag im ganzen Land weiter. In der Sagaing-Region im Norden sollen Einsatzkräfte der Junta Berichten zufolge den Ort Chaung U gestürmt und dabei Granaten und Schusswaffen benutzt haben. Dabei soll es Gefechte mit Zivilisten gegeben haben, die ihrerseits mit selbst gebauten Gewehren und Bomben bewaffnet gewesen seien. Viele Dorfbewohner hätten die Flucht ergriffen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. Mai 2021 16:40
aktualisiert: 13. Mai 2021 16:40