Neuer Rekord

Forschende finden in Grönland bislang älteste DNA der Welt

7. Dezember 2022, 19:49 Uhr
Ein internationales Forscherteam hat an der Nordspitze Grönlands die älteste je von Menschen gefundene DNA entdeckt. Das Genmaterial ist nicht nur weitaus älter als alle bislang bekannten Exemplare. Es gibt auch Einblick in eine Zeit, in der das Leben auf der Insel völlig anders war.
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Die am Kap København gefundenen DNA-Spuren sind rund zwei Millionen Jahre alt, wie der «Standard» berichtet. 40 Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus zahlreichen Ländern fanden sie dort im Rahmen eines gross angelegten Forschungsprojekts.

Mithilfe neuester Technologie hätten sie die DNA-Schnipsel entschlüsselt, die eine Million Jahre älter seien, als der bisherige Rekord für DNA aus einem sibirischen Mammutknochen.

Fenster in eine vergangene Welt

Der Fund erregt Aufsehen, da sich DNA normalerweise schnell zersetze. Im Sedimentboden Grönlands habe sich das Genmaterial jedoch besonders gut erhalten. Zum ersten Mal könne die Wissenschaft nun ein vergangenes Ökosystem so weit in der Vergangenheit direkt betrachten.

Zwar sei bereits bekannt gewesen, dass in Grönland vor 2 Millionen Jahren ein Klima herrschte, das zwischen 10 und 17 Grad wärmer war als heute. Die Forschenden hätten jetzt allerdings Spuren von verschiedenen Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen gefunden, die ein viel genaueres Bild der damaligen Verhältnisse zeichnen.

Einige der DNA-Fragmente seien leicht als Vorläufer heutiger Arten zu klassifizieren gewesen, andere habe man nur auf Gattungsebene zuordnen können. Einige wiederum hätten von Arten gestammt, die in den DNA-Bibliotheken von heutigen Lebewesen überhaupt nicht zu finden seien. Konkret hätten die Fachleute in den Proben genetische Nachweise von Rentieren, Hasen, Mastodonten, Lemmingen, Birken und Pappeln entdeckt.

Von der Vergangenheit für die Zukunft lernen

Der Blick auf eine Region, in der einst weitaus höhere Temperaturen herrschten als heute, sei vor allem deshalb relevant, da das Klima jenem Klima ähnlich sei, das aufgrund der globalen Erwärmung in Zukunft auf unserem Planeten erwartet werde. Tier- und Pflanzenarten seien vor Millionen Jahren in der Lage gewesen, sich an die klimatischen Veränderungen anzupassen. Der Knackpunkt sei aber, wie schnell der Temperaturanstieg vonstattengehe.

«Entscheidend ist, dass unsere Ergebnisse zeigen, dass die Arten dafür Zeit brauchen», wird Co-Autor Mikkel W. Pedersen im Standard zitiert. «Die Geschwindigkeit der heutigen globalen Erwärmung bedeutet, dass Organismen und Arten diese Zeit nicht haben, sodass die Klimakrise eine enorme Bedrohung für die biologische Vielfalt und die Welt bleibt.»

Die Forschenden hofften nun, dass sich einige der Überlebens-Tricks der entdeckten DNA nutzen lassen, um heute gefährdete Arten widerstandsfähiger gegen die Klimaerwärmung zu machen. So sei es vielleicht möglich, gentechnisch jene Strategien nachzuahmen, die Pflanzen vor zwei Millionen Jahren entwickelten, um trotz steigender Temperaturen zu überleben – und so das Aussterben modernen Arten zu verhindern.

(osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 7. Dezember 2022 19:49
aktualisiert: 7. Dezember 2022 19:49