UNO

«Genug ist genug» – Russischer Diplomat in Genf kündigt wegen Krieg

23. Mai 2022, 17:29 Uhr
Angesichts des Kriegs gegen die Ukraine platze ihm der Kragen: Mit scharfen Worten gegen den Kreml hat ein russischer Diplomat am UN-Sitz in Genf seinen Dienst quittiert. Er verglich die Zustände im russischen Aussenministerium mit der Diktatur Josef Stalins.

Mit scharfen Worten gegen den Kreml hat ein höherrangiger russischer Diplomat am UN-Sitz in Genf seinen Dienst quittiert.

Präsident Wladimir Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine sei ein Verbrechen am ukrainischen und am russischen Volk, schrieb der Botschaftsrat am Montag auf der Plattform LinkedIn.

Diejenigen, die diesen Krieg geplant hätten, wollten ewig an der Macht bleiben, in geschmacklosen Palästen leben und auf Jachten segeln, kritisierte er. «Dafür sind sie bereit, so viele Leben zu opfern wie nötig.»

So schlimm wie unter Stalin

Im russischen Aussenministerium hätten Desinformation und Propaganda ein Ausmass erreicht, das an die Sowjet-Zeit der 1930er Jahre erinnere, schrieb er in Anspielung auf die Herrschaft unter Diktator Josef Stalin. Im Ministerium gehe es nicht mehr um Diplomatie. «Es geht um Kriegstreiberei, Lügen und Hass.»

«Genug ist genug», schrieb der Diplomat und verkündete nach 20 Jahren in seinem Beruf den Austritt aus dem öffentlichen Dienst. «Ich habe verschiedene Wendungen unserer Aussenpolitik erlebt, aber noch nie habe ich mich so für mein Land geschämt.»

An der ständigen Vertretung Russlands bei den Vereinten Nationen und den internationalen Organisationen in Genf waren bislang 66 Diplomatinnen und Diplomaten akkreditiert.

(sda/osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 23. Mai 2022 17:30
aktualisiert: 23. Mai 2022 17:30
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