Uno-Klimakonferenz

Guterres: Die nächsten zwölf Monate sind entscheidend

11. Dezember 2019, 17:23 Uhr
Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg hat beim Weltklimagipfel in Madrid die Regierungen wohlhabender Staaten für ihre Untätigkeit im Kampf gegen den Klimawandel scharf kritisiert.
© KEYSTONE/AP/PAUL WHITE
Im Kampf gegen die Klimakrise steht die Weltgemeinschaft vor einem entscheidenden Jahr. Dies machte Uno-Generalsekretär António Guterres am Mittwoch beim Uno-Klimagipfel in Madrid deutlich.

«2020 müssen wir liefern, was die Wissenschaft als Muss festgeschrieben hat, oder wir und alle folgenden Generationen werden einen unerträglichen Preis zahlen», sagte Guterres.

Die Welt werde so schnell heisser und gefährlicher, als es je für möglich gehalten wurde. Die Verschmutzung mit Kohlendioxid müsse von 2020 an abnehmen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens in Reichweite zu behalten. «Wir brauchen mehr Ehrgeiz, mehr Solidarität und mehr Dringlichkeit», forderte der Portugiese.

Staaten müssten - um ihre Zusagen im Pariser Klimaabkommen einzuhalten - ihre nationalen Klimaschutzpläne alle fünf Jahre nachschärfen, und das beginne 2020, sagte Guterres. «Die nächsten zwölf Monate sind entscheidend.»

Guterres: «Kampf um unser Leben»

Ziel müsse dabei sein, bis 2030 den Treibhausgas-Ausstoss um 45 Prozent gegenüber 2010 zu senken und 2050 unterm Strich klimaneutral zu werden, also keine zusätzlichen Treibhausgase mehr auszustossen. Rest-Emissionen müssten dann ausgeglichen werden. Guterres mahnte eindringlich, es handele sich «um einen Kampf um unser Leben».

Guterres hatte im September bereits Staats- und Regierungschefs nach New York geladen mit dem Ziel, Zusagen für höhere Klimaziele von ihnen zu bekommen.

Damals hatte sich unter Führung Chiles die «Climate Ambition Alliance» (Allianz für Klima-Ehrgeiz) gegründet, der sich mehrere Dutzend Länder, aber auch Städte, Regionen und Unternehmen anschlossen.

Gretas Kritik

Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg, die ebenfalls am Uno-Klimagipfel auftrat, kritisierte derweil die Regierungen wohlhabender Staaten für ihre Untätigkeit im Kampf gegen den Klimawandel scharf.

In einer auf wissenschaftliche Daten zu CO2-Emissionen und die Erderwärmung gestützten Rede legte die 16-Jährige vor dem Plenum eindringlich die Fakten zu den Folgen dar, sollten die Ziele des Pariser Abkommens zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad verfehlt werden. «Jeder Bruchteil eines Grades zählt», so Thunberg.

«2050 Treibhausgas-Neutralität zu erreichen bedeutet gar nichts, wenn die Emissionen inzwischen noch für ein paar Jahre weitergehen wie bisher. Denn unser verbleibendes Budget wird dann aufgebraucht sein», erklärte die junge Schwedin unter dem Applaus der Anwesenden.

Massnahmen gefordert

Sie monierte scharf, dass die Verhandlungen in Madrid so schleppend vorankämen. «Es gibt überhaupt kein Gefühl der Dringlichkeit», warf sie den Politikern vor.

Die eigentliche Gefahr, so betonte Thunberg, sei nicht die Untätigkeit der für die Krise verantwortlichen Regierungen und Unternehmen, «sondern die Tatsache, dass Politiker und Konzernchefs es so aussehen lassen, als würden sie etwas tun».

Das Jahrzehnt, das in nur drei Wochen beginne, «wird unsere Zukunft definieren», warnte sie. Die Menschen bräuchten jetzt unbedingt ein Zeichen der Hoffnung. «Aber es gibt Hoffnung, ich habe es gesehen - aber sie kommt nicht von Regierungen und Konzernen, sondern vom Volk.»

Thunberg hatte bereits angekündigt, im Gegensatz zu ihrer aufsehenerregenden Rede bei den Vereinten Nationen im September in New York diesmal auf grosse Emotionen verzichten zu wollen. Vor dem im Kampf gegen die Erderwärmung wichtigen Jahr 2020 wolle sie die Emotionalität aus der Klimadebatte nehmen, «weil die Leute sich sonst nur daran und nicht an die Fakten erinnern».

Quelle: sda
veröffentlicht: 11. Dezember 2019 16:20
aktualisiert: 11. Dezember 2019 17:23