Hamburger Polizei hatte Angst um Leben der Beamten

8. Juli 2017, 16:43 Uhr
Die Hamburger Polizei hat bei den schweren Krawallen im Schanzenviertel in der Nacht auf Samstag nicht früher eingegriffen, weil sie nach eigenen Angaben um das Leben ihrer Beamten fürchtete.

Die Polizei habe Erkenntnisse gehabt, dass Fussgängerwegplatten auf Dächern abgelegt und Brandflaschen vorbereitet worden seien. Während des Einsatzes sei mit Stahlkugeln auf Polizisten geschossen worden, berichtete Polizeisprecher Timo Zill am Samstag.

«Es ging eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben der Polizeibeamten aus. Wir wollten nicht schlecht vorbereitet in das Schanzenviertel gehen und die Räumung nicht durchbekommen.» Ein Rückzug der Polizei wäre sicherlich ein fatales Bild gewesen.

Mit Sturmgewehren bewaffnet

Es sei alternativlos gewesen, Spezialeinheiten hinzuzuziehen. «Unser Einsatz hat gezeigt, dass wir diesen Mob sehr schnell wieder in den Griff bekommen haben», sagte Zill. Der Hass gegen die Polizei habe eine neue Dimension erreicht.

In der Nacht auf Samstag hatte die Polizei im Hamburger Schanzenviertel erst nach dem Einsatz von mit Sturmgewehren bewaffneten Spezialeinheiten die Lage unter Kontrolle bringen können. Bei den gewaltsamen Protesten wurden nach Polizeiangaben 43 Menschen festgenommen und 96 in Gewahrsam genommen.

16 Polizeibeamte verletzt

16 Polizeibeamte seien verletzt worden, zum Teil schwer. Angaben über verletzte Demonstranten waren nicht zu erhalten.Seit Beginn des Polizeieinsatzes am 22. Juni wurden den Angaben zufolge damit bisher insgesamt 143 Menschen fest- und 122 in Gewahrsam genommen. Rund um den G20-Gipfel seien bisher 213 Beamte verletzt worden.

Die Polizei blickt mit einer «gewissen Sorge» auf die Demonstration «Grenzenlose Solidarität statt G20» am Samstag. Auch Linksextreme seien an der Organisation beteiligt, sagte der Polizeisprecher.

«Wir erwarten von den Veranstaltern, dass sie sich endlich von Gewalt distanzieren. Dass es aufhört mit dieser Vermummung, dass es aufhört mit diesen Gewaltorgien.» Die Polizei werde auch am Samstag mit einem Grossaufgebot vor Ort sein.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 8. Juli 2017 12:03
aktualisiert: 8. Juli 2017 16:43