Herr Trump und sein Essen

Claudia Amann, 25. Januar 2017, 09:36 Uhr
Von Trump gab es Lobster mit Safransauce und Häme für die Restauranttesterin.
Von Trump gab es Lobster mit Safransauce und Häme für die Restauranttesterin.
© (imago/UPI Photo/Bellevue)
Der neue Präsident der Vereinigten Staaten soll, nach allen verfügbaren Informationen, keine sonderlich amouröse Beziehung zum Essen haben. Feine Küche ist für ihn, nach allen verfügbaren Informationen zu urteilen, kein Grund zu drastischer Freude. Für die besten Restaurants der USA und für die Trends der Kochwelt soll er sich eher weniger interessieren.

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Mehrfach wurde er dabei gesehen, wie er Fast Food verdrückte. Big Mac zu loben und Kentucky-Fried-Chicken-Elaborate zu vertilgen, könnte allerdings auch Ausdruck seiner Establishment-Ablehnung sein. Der Mann will dem einfachen Volk oder was er dafür hält aufs Maul schauen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Hummer, Shrimps und Schokolade

Doch beim offiziellen Essen zur Amtseinführung gab es, berichten amerikanische Medien übereinstimmend, keinen Cheeseburger, keine Chicken Nuggets und auch keine frittierten Apfeltaschen. Nach Hummer, Shrimps und der dazu passenden Safransauce ist mit Rindfleisch samt Schokolade-Wacholder-Sauce zu rechnen, gefolgt von einem Schokosoufflé mit Kirsch-Vanille-Glace. Gediegen könnte man das nennen, und allenfalls die doppelte Verwendung von Schokolade erstaunt. Ist er in Wirklichkeit ein Süsser, der neue Staatsmann?

(pd)
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Auf jeden Fall neigt er in getränketechnischer Hinsicht nicht zu Ausschweifungen. Auch wenn Donald Trump keinen Alkohol trinkt, sollen die übrigen Gäste nicht auf dem Trockenen sitzen. Kalifornisch wird es zugehen, mit Chardonnay, Cabernet Sauvignon und einem Schaumwein, der als «California Champagne» auf der Menukarte stehen soll. Das lässt aufhorchen, denn es könnte ein Warnsignal sein. Brechen nun schlechte Zeiten an für die Produzenten des echten Champagners? Sinken die Exportchancen französischer Winzer? Und vor allem: Passt Schaumwein überhaupt zu Schokosoufflé mit Eis?

Trump und die Kritiker: eine Frage von Twitter

Die letztgestellte Frage beantworte ich ohne zu zögern mit nein. Auch wenn ich nun Gefahr laufe, mir den Unmut des Mannes mit der eigenartigen Frisur zuzuziehen. Könnte ja sein, dass der neue Präsident NZZ Bellevue liest und ausser sich gerät.

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich der Mann über meine Zunft aufregt. Erst im Dezember las er der Testerin von Vanity Fair die Leviten. Hatte die Dame doch gewagt, das Steakhouse «Trump Grill» imTrump Tower zu verreissen. Fehlendes Toilettenpapier, billig aussehende Bilder an den Wänden, unnötig teuer wirkende Zutaten zum Essen. Wirklich, man muss es als Verriss beschreiben, was die Zeitschrift veröffentlichte.

Dumplings mit Trüffelöl – what a shame!

Was die Kollegin beschrieb, klang in der Tat abstossend. Dumplings mit Sojasauce und Trüffelöl – wer bitte möchte eine solche Scheusslichkeit essen? Wo auch noch die Crostini mit Hummus und Ricotta gleichzeitig belegt wäre. Die vielen misslungenen Exponate ihres Essens können hier nur ansatzweise wiedergegeben werden. Mehliges Fleisch, eine «Annäherung» an einen Griechischen Salat, übergarte Fries und völlig misslungene Cocktails stellen nur einen kleinen Ausschnitt dessen dar, was Frau Nguyen erleiden musste.

Tina Nguyen hat den Artikel für die Vanity Fair geschrieben und sich so bei Trump unbeliebt gemacht. (Twitter)
Tina Nguyen hat den Artikel für die Vanity Fair geschrieben und sich so bei Trump unbeliebt gemacht. (Twitter)

Mag ja sein, dass die Autorin übertrieb, als sie das Lokal als eventuell schlechtestes Restaurant in Amerika bezeichnete. Doch es besteht kein Zweifel, dass dieses Essen nicht gut war. Die von Vanity Fair veröffentlichten Bilder belegen es eindrucksvoll.

Zeit, in sich zu gehen? Aber woher denn!

Ein kluger Chef würde sich für all das entschuldigen und Ersatz anbieten. Er könnte den Küchenchef wechseln oder die Abläufe im Restaurant auf den Prüfstand stellen. Doch Fast-Präsident Trump tat allem Anschein nach das Gegenteil und teilte heftig aus. Über Twitter echauffierte er sich massiv über Vanity Fair. Die Kritik schien ihn verletzt zu haben.

Nun muss man wissen, dass die Sache eine Vorgeschichte hat, einen langen Streit zwischen dem Vanity-Fair-Chef Graydon Carter und Trump, der umso pikanter anmutet, als Ersterer selbst als Gastronom aktiv ist und in dieser Funktion seinerseits schon vom Immobilienmogul kritisiert wurde. Das schlechteste Essen in der Stadt gebe es in einem von Carters Restaurants, schimpfte Trump einmal. Es spricht also manches dafür, dass hier eine Privatfehde zumindest mit hineinspielte, dass wenigstens die Headline der Gastrokritik eine Retourkutsche war. Gute Journalisten verzichten auf derartige Polemik.

Der Trump Tower in New York - kein Ort der guten Küche. (Colourbox)
Der Trump Tower in New York - kein Ort der guten Küche. (Colourbox)

Mich aber reizt es, mal in New York nach dem Rechten zu sehen, den «Trump Grill» für die Neue Zürcher Zeitung zu besprechen. Vom Präsidenten der USA auf Twitter verewigt zu werden, wäre schliesslich eine gewaltige Ehre.

Autor: Wolfgang Fassbender für NZZ Bellevue. Alle Nachgewürzt-Artikel findet ihr hier.

Claudia Amann
veröffentlicht: 21. Januar 2017 13:32
aktualisiert: 25. Januar 2017 09:36