Flugzeugabsturz

Iranis Militär hat Passagierflugzeug unbeabsichtigt abgeschossen

11. Januar 2020, 13:59 Uhr
Trauer und Forderung: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert vom Iran, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen und Entschädigungen zu zahlen.
© KEYSTONE/EPA/sd LB
Der Iran hat nun doch eingestanden, für den Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs mit 176 Todesopfern verantwortlich zu sein. Das Militär habe die Maschine unbeabsichtigt abgeschossen, es handle sich um menschliches Versagen, hiess es am Samstag.

Präsident Hassan Ruhani äusserte sein Bedauern, versprach eine gründliche Untersuchung und erklärte: «Dieser unverzeihliche Vorfall muss juristisch konsequent verfolgt werden.» Die Familien der Opfer sollten entschädigt werden.

Zuvor hatte der Iran tagelang einen Abschuss vehement bestritten und erklärt, ein technischer Defekt sei die Ursache gewesen. Unter den Absturzopfern waren unter anderen 57 Kanadier.

Zum Hergang erklärte ein Kommandant der iranischen Revolutionsgarde, die ukrainische Passagiermaschine habe sich am Mittwoch einer strategisch wichtigen Militäranlage genähert, sei versehentlich als feindlicher Marschflugkörper eingestuft und schliesslich abgeschossen worden.

Defekt im Kommunikationssystem

Der Kommandant der Luft- und Weltraumabteilung der Revolutionsgarde, Amir Ali Hadschisadeh, sagte weiter, der zuständige Offizier habe der Zentrale die Gefahr melden wollen, aber genau zu dem Zeitpunkt habe es einen Defekt im Kommunikationssystem gegeben.

Der Offizier hatte laut Hadschisade dann nur wenige Sekunden zu entscheiden, ob er eine Luftabwehrrakete abfeuert oder nicht. «Und leider tat er es, was dann zu dem Unglück führte», sagte der Kommandant. «Als ich davon erfahren habe, wünschte ich mir, lieber selbst tot zu sein, statt Zeuge dieses Unglücks», sagte Hadschisadeh.

In der iranischen Pressemitteilung hiess es weiter, der für den Abschuss Verantwortliche werde vor ein Militärgericht gestellt. Die Streitkräfte entschuldigten sich bei den Opferfamilien und versprachen, solch ein «Fehler» werde nicht mehr vorkommen.

Auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei bedauerte den Abschuss. «Das menschliche Versagen in den Vorfall ist äusserst bedauerlich und mein tiefstes Mitgefühl gilt den Familien der Opfer», erklärte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Von den Streitkräften forderte er eine lückenlose Aufklärung.

«Vom Abenteurertum der USA verursacht»

Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif schrieb auf Twitter von einem «traurigen Tag». Er entschuldigte sich bei den Familien der Opfer und der iranischen Bevölkerung. Weiter schrieb er: «Menschliches Versagen in Krisenzeiten, vom Abenteurertum der USA verursacht, hat zu diesem Desaster geführt.» Auch Ruhani versuchte, den Abschuss mit den militärische Spannungen mit den USA zu rechtfertigen.

Auch Justizchef Ibrahim Raeissi forderte eine lückenlose Aufklärung. «Die Justizabteilung der Streitkräfte sowie die iranische Luftfahrtbehörde sollten alle Dimensionen untersuchen und mir die Ergebnisse umgehend mitteilen», erklärte Raeissi laut Nachrichtenagentur Isna.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte den Iran auf, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen und Entschädigungen zu zahlen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 11. Januar 2020 13:55
aktualisiert: 11. Januar 2020 13:59