Keine zusätzlichen Ferien für Nichtraucher

Fabienne Engbers, 3. November 2017, 06:55 Uhr
Sollen Nichtraucher mehr Ferien kriegen als Raucher?
Sollen Nichtraucher mehr Ferien kriegen als Raucher?
© istock
Bei einem japanischen Unternehmen bekommen Nichtraucher eine zusätzliche Ferienwoche. In der Ostschweiz kennt diese Idee noch niemand. Allerdings müssen Raucher für ein «Lungenbrötli» oftmals ausstempeln.

In Japan belohnt ein Unternehmen seine Nichtraucher. Wer auf die Zigarette am Arbeitsplatz verzichtet, erhält eine zusätzliche Ferienwoche. Die Japaner erklären ihr Belohnungssystem damit, dass ein Raucher pro Zigarette rund zehn Minuten zusätzlich Pause macht (das Unternehmen hat das Büro im 29. Stock). Aufs Jahr gerechnet gehe da eine gute Woche flöten, die Nichtraucher an ihrem Arbeitsplatz verbringen.

Ostschweizer Unternehmen können sich das nicht vorstellen

Unternehmen in der Ostschweiz stehen dieser Idee skeptisch gegenüber. «Momentan gehen wir nicht davon aus, dass die Arbeit durch das Rauchen beeinträchtigt wird. Würde sich das aber ändern, könnte man über die Idee aus Japan nachdenken», sagt Dominik Chiavi, Mediensprecher der Raiffeisen Schweiz.

Vielerorts muss man aber ausstempeln wenn man sich während der Arbeitszeit eine Zigarette gönnt, zeigt eine Umfrage von FM1Today. So zum Beispiel bei der Stadler Rail mit Sitz in Bussnang. So würden Raucher nicht bevorteilt, die Pausen, welche die Raucher beanspruchen, müssen sie am Ende des Tages «absitzen». Es gibt aber auch Unternehmen, in denen Raucher während der Arbeitszeit rauchen gehen dürfen, wie zum Beispiel die Raiffeisen. «Wir haben aber jeweils am Morgen und am Nachmittag eine Viertelstunde Pause, die Raucher für ihre Zigarette nutzen», sagt Dominik Chiavi. Ob man diese Pause am Stück oder auf den Halbtag verteilt einzieht, ist jedem Mitarbeiter selbst überlassen.

Lehrlinge werden sensibilisiert

Ferien für Nichtraucher stehen bei der Raiffeisen momentan nicht zur Debatte, allerdings versucht die Bank, ihre Lehrlinge zu sensibilisieren. «Wir unterstützen das Projekt ‹rauchfreie Lehre›, das Jugendliche dazu motiviert, während der Arbeit und auch in der Freizeit aufs Rauchen zu verzichten», sagt Dominik Chiavi.


Lungenliga ist skeptisch

Laut der japanische Firma sollen durch die zusätzlichen Ferien Nichtraucher belohnt werden, statt Raucher zu bestrafen. Bei der Firma haben laut Mitteilung bereits vier Mitarbeiter mit dem Rauchen aufgehört, um die Ferienwoche ebenfalls einzustreichen.

Bei der Lungenliga Schweiz kommt die Idee gut an, allerdings glaubt Mediensprecherin Elena Strozzi nicht, dass die Massnahme Mitarbeiter dazu bringt, mit dem Rauchen aufzuhören. «Würde ein Unternehmen in der Schweiz diese Idee übernehmen, müsste man eine Studie durchführen, um zu schauen, was die Massnahme bringt», sagt sie.

Denn laut der Lungenliga will rund die Hälfte aller Schweizer eigentlich mit dem Rauchen aufhören. Ob sie die Sucht nur durch die Aussicht auf eine Woche Ferien besiegen, ist laut Elena Strozzi mehr als fraglich.

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 3. November 2017 06:55
aktualisiert: 3. November 2017 06:55