"Kriegstreiberei" gegen Kurden

Leila Akbarzada, 9. September 2015, 12:09 Uhr
Tausende Menschen haben am Dienstag Abend in Istanbul gegen die Gewalt der Kurden demonstriert.  (Depo Photos via AP )
Tausende Menschen haben am Dienstag Abend in Istanbul gegen die Gewalt der Kurden demonstriert. (Depo Photos via AP )
© Tausende Menschen haben am Dienstag Abend in Istanbul gegen die Gewalt der Kurden demonstriert. (Depo Photos via AP )
In der ganzen Republik sind gestern Abend und am Montag hunderte Menschen auf die Strasse und haben kurdische Einrichtungen angegriffen. Gleichzeitig setzt die türkische Armee ihre militärische Offensive gegen kurdische Stellungen im Irak fort. Anti-kurdische Tendenzen steigen an. Derweil hat die Kurdenpartei der türkischen Regierung Kriegstreiberei vorgeworfen.

Nach gewalttätigen Protesten türkischer Nationalisten gegen Kurden hat die Kurdenpartei HDP (Halklarin Demokratik Partisi - Demokratische Partei der Völker) der Staatsführung in Ankara Kriegstreiberei vorgeworfen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan und Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hätten "eine Entscheidung für den Bürgerkrieg gefällt", sagte HDP-Chef Selahattin Demirtas am Dienstag. Er sprach von Lynchversuchen, die mit staatlicher Hilfe und Unterstützung der Regierung gestartet worden seien.

Eine wütende Menschenmenge hat gestern Abend das Hauptquartier der prokurdischen Partei HDP angegriffen und in Brand gesetzt. Nationalisten haben sechs weitere Büros der HDP an anderen Orten der Türkei angegriffen.

Keine Reaktion der Polizei

Die HDP hat die Vorgehensweise der Polizei scharf kritisiert. Sie hätte nichts unternommen, um die Gewalt der Angreifer zu unterbinden, lässt die Partei über Twitter verlauten. Nationalisten werfen der HDP vor, mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK zu kooperieren. Dieser werden mehrere Anschläge gegen türkische Soldaten und Polizisten in den letzten Tagen zugeschrieben. Beim schweren Bombenanschlag in Daglica vom vergangenen Sonntag wurden 16 Soldaten getötet. Die HDP streitet eine Verbindung zur PKK ab. Der Chef der HDP, Selahattin Demirtas, hat die PKK sogar aufgerufen, einen gewaltfreien Weg zur Freiheit anzustreben.

Tageszeitung im Kreuzfeuer

In Istanbul haben Anhänger des Präsidenten Recep Tayyp Erdogan die Zentrale der Tageszeitung "Hürriyet" belagert. Laut "Hürriyet"-Belegschaft riefen die Demonstranten "Allahu Akbar" und warfen mit Steinen auf das Gebäude. Dies ist bereits der zweite Angriff auf die Zeitung innerhalb von vier Tagen. Sie hatte den Zorn von Erdogan-Anhängern erweckt, weil sie in einem offenen Brief den Präsidenten kritisiert hatte.

Spannungen wachsen

In der Regierung sowie in der Bevölkerung steigt die Ablehnung und der Zorn gegen die Kurden an. Erdogan schürt diese Zweiteilung, indem er in Kampfreden immer wieder von "uns" und "sie" in Bezug auf die Kurden spricht. Derweil hat der Premierminister Ahmet Davotoglu die Gewalt der Nationalisten von letzter Nacht als "inakzeptabel" bezeichnet. Er betonte, dass die militärischen Aktionen weitergingen, zumindest für eine befristete Zeit. Die Türken sollen aber nicht die Sache in die eigene Hand nehmen. Zwei Jahre hat die Waffenruhe zwischen PKK und der Türkei angehalten, nun ist sie seit Montag mit Beginn der militärischen Offensive der Türkei gebrochen.

Leila Akbarzada
Quelle: SDA/lak
veröffentlicht: 9. September 2015 11:33
aktualisiert: 9. September 2015 12:09