Lastwagen erfasst mehrere Menschen in Stockholm

René Rödiger, 8. April 2017, 07:26 Uhr
Ein Attentäter ist in Stockholm mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge vor einem Kaufhaus gerast und hat vier Personen getötet. Zahlreiche weitere Passanten wurden verletzt. «Schweden wurde angegriffen», erklärte Ministerpräsident Stefan Löfven. Die Polizei hat am Freitagabend in Stockholm eine Person festgenommen, diese wurde aber wieder freigelassen. Die Fahndung läuft weiter.

Beim Terroranschlag mit einem Lastwagen in Stockholm sind am Freitag laut schwedischen Medien vier Menschen ums Leben gekommen. Das berichteten mehrere Zeitungen unter Berufung auf die Nachrichtenagentur TT. Der Chefarzt des Karolinska-Instituts bestätigte, dass mindestens 15 Menschen verletzt worden seien. Unter den Verletzten seien auch zwei Kinder, eines davon wurde schwer verletzt. 9 der 15 Verletzten seien schwer verletzt worden.

Eine Person festgenommen

Nach dem Terroranschlag mit einem Lastwagen in Stockholm fahndet die Polizei weiter nach dem Täter.Ein am Freitagabend in einem Vorort der schwedischen Hauptstadt festgenommener Mann sei nicht derjenige, der den Lastwagen durch eine Menschenmenge in der Innenstadt gesteuert habe, erklärte ein Polizeisprecher an einer Pressekonferenz.

Der Anschlag ereignete sich am Freitag gegen 15.00 Uhr fuhr auf der grössten Einkaufsstrasse der schwedischen Hauptstadt. Der Laster raste in die Menge und kam erst in der Fassade des Kaufhauses «Ahlens» in der Einkaufsstrasse Drottninggatan zum Stehen. Nach Angaben der Spedition Spendrups war der Lkw zuvor während einer Lieferfahrt zu einem Restaurant gestohlen worden.

Dicker Rauch stieg am Anschlagsort auf, die Polizei sperrte die gesamte Umgebung ab. Polizeiautos fuhren durch die Stadt und forderten die Bewohner per Lautsprecherdurchsage auf, sofort nach Hause zurückzukehren und Menschenmengen zu meiden. Helikopter kreisten über dem Stadtzentrum.

Komplette U-Bahn eingestellt

Da sich der Anschlag oberhalb der zentralen U-Bahnstation T-Centralen ereignete, brach der U-Bahnverkehr in Stockholm weitgehend zusammen. Kurze Zeit später wurde der komplette U-Bahn-Verkehr eingestellt.

Die schwedischen Sicherheitsbehörden riegelten Medienberichten zufolge wichtige Gebäude in der Innenstadt ab. Der Gebäudekomplex Rosenbad, Sitz der schwedischen Regierung, das Parlamentsgebäude und das Königsschloss wurden demnach von der Polizei abgesperrt.

Der Täter war mehrere Stunden nach dem Anschlag noch auf freiem Fuss. Die Polizei sucht nach einem Mann, der zur fraglichen Zeit am Tatort gesehen worden sein soll. «Mit dieser Person würden wir gern in Kontakt kommen», sagte Reichspolizeichef Dan Eliasson bei einer Pressekonferenz. Er zeigte Bilder, auf denen ein Mann in einer Kapuzenjacke zu sehen war.

Ausmass weiterhin unklar

Das Ausmass der Tat war am Abend noch unklar. «Wir wissen nicht, ob es eine Einzeltat ist oder ob wir mit mehr rechnen müssen», sagte Eliasson. Zur Zahl der Toten und Verletzten konnte er noch keine genauen Angaben machen. «Es gibt so viele Aussagen, die kursieren, deshalb ist es besser zu warten», fügte er hinzu.

«Wir tun alles, was wir können, um Klarheit in die Ereignisse zu bringen», versprach der Chef der Sicherheitspolizei, Anders Thornberg. «Wir werden jeden Stein einzeln umdrehen.»

Die schwedische Königsfamilie reagierte schockiert auf den Anschlag: «Ich und die gesamte Königsfamilie haben mit grösster Bestürzung die Informationen über das Attentat am Nachmittag in Stockholm entgegengenommen», schrieb König Carl XVI. Gustaf auf der Homepage der Königsfamilie. «Wir folgen der Entwicklung, aber vorerst gehen unsere Gedanken an die Getöteten und deren Familien.»

Politiker in Europa sind bestürzt

Auch europäische Politiker reagierten bestürzt. «Ein Angriff auf einen unserer Mitgliedsstaaten ist ein Angriff auf uns alle», erklärte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am in Brüssel. Schweden könne auf Solidarität und jede erdenkliche Hilfe zählen. «Unsere Gedanken sind beim schwedischen Volk», erklärte Juncker.

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel und sein französischer Amtskollege Jean-Marc Ayrault sprachen Schweden ihr Mitgefühl aus. «In diesen schweren Stunden stehen wir an der Seite unserer schwedischen Freunde», erklärten die beiden Minister. «Wir bangen mit den Schwedinnen und Schweden und sind in Gedanken bei ihnen, bei den Opfern und ihren Familien und Freunden.»

«Tief betrübt über die tragischen Ereignisse» in Stockholm ist auch der österreichische Aussenminister Sebastian Kurz. «Stehen in dieser Stunde der Trauer SWE-Freunden bei; werden allen Formen des Terrorismus gemeinsam begegnen», formulierte er auf dem Kurzbotschaftendienst.

Anschläge in Nizza, Berlin und London

In den vergangenen Monaten waren in mehreren europäischen Ländern islamistische Anschläge mit Fahrzeugen verübt worden. Der folgenschwerste ereignete sich am 14. Juli 2016 in Nizza: 86 Menschen wurden getötet, als ein Attentäter mit einem Lastwagen in die Menschenmenge während der Feiern zum Nationalfeiertag fuhr.

Beim Lkw-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche am 19. Dezember 2016 starben zwölf Menschen. Der aus Tunesien stammende Attentäter Anis Amri hatte den Lastwagen gestohlen.

In der britischen Hauptstadt London steuerte am 22. März ein Angreifer ein Auto in eine Gruppe von Passanten und erstach anschliessend einen Polizisten. Sechst Menschen wurden bei dem Anschlag getötet, darunter der Attentäter.

(SDA)

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René Rödiger
veröffentlicht: 7. April 2017 21:00
aktualisiert: 8. April 2017 07:26