Studie

Mit Fakten lassen sich Impfgegner nicht überzeugen

René Rödiger, 23. Dezember 2021, 05:55 Uhr
Seit Monaten wird über die Impfung gegen das Coronavirus aufgeklärt. Die Impfquote stagniert trotzdem. Wie kann das sein? Dieser Frage ist jetzt in einer Studie nachgegangen worden.
Wie bringt man Menschen dazu, sich impfen zu lassen?
© Getty Images

Bald zwei Jahre leben wir nun schon mit der Corona-Pandemie. Seit das Virus einen grossen Teil unseres Lebens beeinflusst, beschäftigt sich auch die Wissenschaft damit. Und hat ganz viel erreicht.

Wir wissen unter anderem:
Masken nützen
- Hygiene ist wichtig (wäre es übrigens auch ohne Pandemie...)
- Die Impfung ist der schnellste und sicherste Weg aus der Pandemie
- Mit einer Impfung schützt man auch Mitmenschen
- Die Impfung schützt und ist sicher

Das sind Fakten. Darüber sollte man nicht mehr diskutieren müssen. Trotzdem gibt es noch immer Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen. Nicht wenige davon glauben, dass die Impfung schädlicher sein könnte als eine Infektion. Obwohl sie wissen, dass das Virus gefährlich ist. Und lassen sich trotzdem nicht impfen.

Impfquote stagniert

In den vergangenen Monaten wurde immer wieder auf die Wichtigkeit der Impfung aufmerksam gemacht. Es wurde informiert, es wurde aufgeklärt, es wurde erklärt. Einen merklichen Anstieg in der Impfquote gab es kaum. Anfangs November lag diese in der Schweiz bei 64,04 Prozent, am 21. Dezember erst bei 66,92 Prozent.

Mehr Impfungen nach persönlichen Erfahrungen?

Untersuchungen von Anupam B. Jena und Christopher M. Worsham von der Harvard Medical School zeigen, dass mehr Aufklärung diese Quote kaum mehr in die Höhe treiben wird. In einer kürzlich veröffentlichten Studie haben sie die Verbreitung der Impfung gegen die Papillomaviren (HPV) angeschaut. Diese Impfung ist seit 2006 zugelassen und schützt zum Beispiel gegen Gebärmutterhalskrebs.

In den USA gibt es gegen die HPV-Impfung viel Widerstand. Insbesondere konservative und religiöse Gruppierungen glauben, dass damit ein aktives Sexualleben propagiert werden würde. Doch wie reagieren Mütter, die selbst an Gebärmutterhalskrebs litten, wenn es um die HPV-Impfung ihrer Kinder geht? «Was wir rausgefunden hatten, hat uns überrascht: Die Kinder wurden nicht mehr oder weniger gegen HPV geimpft als andere Kinder», schreiben die Studienautoren in der «New York Times». Klar, die Gründe, sich oder andere nicht zu impfen, sind immer sehr verschieden.

Eine ähnliche Beobachtung konnte auch schon bei Ärztinnen und Ärzten gemacht werden, die es ja eigentlich besser wissen müssten. Auch hier wurde in den USA untersucht, wie häufig diese Fachspezialistinnen und -spezialisten ihre Kinder gegen Windpocken impfen liessen. Ein Unterschied zu anderen Eltern liess sich nicht erkennen.

Positive oder negative Anreize schaffen

Wenn Aufklärung und Fakten die Impfgegnerinnen und Impfgegner nicht überzeugen können, wie können sie dann zu einer Impfung gebracht werden? Die Lösung liegt laut Jena und Worsham in positiven und negativen Anreizen. Sie bringen als Beispiel den Handyvertrag. Diesen wechseln die wenigsten Leute, weil ein anderer billiger oder besser ist. Sie wechseln, weil sie vielleicht noch gratis das neue iPhone dazu bekommen (positiver Anreiz). Ein negativer Anreiz ist auch dann gegeben, wenn der oder die Jugendliche rechtzeitig vom Ausgang nach Hause kommt, weil er oder sie sonst Hausarrest bekommt.

Kündigung oder Bratwurst

Auf die Covid-Impfung angewendet heisst das dann zum Beispiel, dass die Firma sagt: «Lass dich impfen oder wir müssen dich entlassen.» Diesen Ansatz hat United Airlines verfolgt. 200 der 67'000 Angestellten haben sich für eine Kündigung entschieden, der Rest ist geimpft. Dass es auch mit positiven Anreizen geht, zeigen die Beispiele aus den deutschen Städten Thüringen und Hannover, als es eine Gratis-Bratwurst für jede Impfung gab. Die Impfzentren verzeichneten einen riesigen Andrang.

Wer jetzt über Leute lacht, die sich für eine Bratwurst impfen lassen: Viel kurioser ist ein Wechsel des Mobilfunkanbieters für ein neues Telefon nicht. Denn dort ist man dadurch meist an einen langfristigen Vertrag gebunden. Würde man sich einfach immer wieder für den billigsten Anbieter entscheiden, hätte man sich das neue iPhone schon nach viel kürzerer Zeit erspart.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 23. Dezember 2021 05:49
aktualisiert: 23. Dezember 2021 05:55
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