Papst eröffnet im Vatikan Krisengipfel zu sexuellem Missbrauch

21. Februar 2019, 09:50 Uhr
Mitglieder der Organisation ECA (Ending of Clergy Abuse) am Montag auf dem Petersplatz - am Donnerstag begann im Vatikan ein Krisengipfel zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche.
Mitglieder der Organisation ECA (Ending of Clergy Abuse) am Montag auf dem Petersplatz - am Donnerstag begann im Vatikan ein Krisengipfel zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche.
© KEYSTONE/AP/GREGORIO BORGIA
Auf Einladung von Papst Franziskus beraten die katholischen Bischöfe seit Donnerstagmorgen über Konsequenzen aus den Missbrauchsskandalen der katholischen Kirche. Der Papst verlangte zum Auftakt des Treffens «konkrete Massnahmen» gegen Missbrauch.

Papst Franziskus verspricht sich von dem Krisengipfel eine Schärfung des Bewusstseins von Bischöfen für das Thema sexueller Missbrauch und die Verständigung auf ein Regelwerk für den Umgang damit.

Franziskus forderte am Donnerstag zum Auftakt des Treffens «konkrete und wirksame Massnahmen», um das «Übel» des sexuellen Missbrauchs zu bekämpfen. «Das Volk Gottes schaut auf uns und erwartet von uns keine einfachen und vorhersehbaren Verurteilungen», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in der Synoden-Aula des Vatikans. «Hören wir den Schrei der Kleinen, die Gerechtigkeit verlangen.»

Er erinnerte die Chefs der Bischofskonferenzen der Welt an ihre Verantwortung und verlangte «Mut und Konkretheit». An dem viertägigen Treffen nehmen bis Sonntag neben den Bischöfen die Spitzen der römischen Kurie und Ordensvertreter teil. «Die Jungfrau Maria möge uns erleuchten, um diese schweren Wunden zu heilen, die der Skandal der Pädophilie sowohl den Kleinen als auch den Gläubigen zugefügt hat», sagte der Papst.

Franziskus hatte angesichts der Skandale, die die katholische Kirche weltweit tief erschüttert haben, eine «Null-Toleranz»-Haltung gegenüber Missbrauch versprochen. Wenige Tage vor der Konferenz setzte er ein Zeichen, indem er den amerikanischen Ex-Kardinal Theodore McCarrick nach Missbrauchsvorwürfen aus dem Klerikerstand entliess.

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erhofft sich von der im Vatikan stattfindenden Missbrauchskonferenz einen «Schub» für die katholische Kirche. Es müsse von den Begegnungen im Vatikan in den kommenden Tagen ein Impuls in die Gesellschaft ausgehen, dass die Kirche den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen nicht dulde, sagte Marx unmittelbar vor Beginn der Konferenz im Vatikan vor Journalisten.

Es gehe jetzt darum, «dieses Übel zu überwinden», sagte Marx. Dafür würden die im Vatikan tagenden Teilnehmer alles tun. «Ich hoffe, ich glaube auch, dass hier etwas geschieht, was für die gesamte Weltgesellschaft von Bedeutung ist.»

Quelle: SDA
veröffentlicht: 21. Februar 2019 09:25
aktualisiert: 21. Februar 2019 09:50