Papst mischt sich in Krise von Nicaragua ein

4. Juni 2018, 07:51 Uhr
Nicaragua kommt auch am Sonntag nicht zur Ruhe: Die autoritäre Regierung des Landes ist nicht zu Zugeständnissen aufgrund der Proteste bereit.
Nicaragua kommt auch am Sonntag nicht zur Ruhe: Die autoritäre Regierung des Landes ist nicht zu Zugeständnissen aufgrund der Proteste bereit.
© KEYSTONE/EPA EFE/BIENVENIDO VELASCO
Nach den jüngsten Berichten über mehrere Tote bei Protesten gegen die Regierung in Nicaragua hat Papst Franziskus dringend zum Dialog aufgefordert. «Ich bete für ein Ende aller Gewalt», sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag während des Angelusgebets im Vatikan.

In dem mittelamerikanischen Staat wurden währenddessen mindestens fünf neue Todesopfer gemeldet. «Jeden Tag werden Menschen getötet», klagte Gonzalo Carrión vom Nicaraguanischen Zentrum für Menschenrechte (Cenidh) in der Hauptstadt Managua. Unter den jüngsten Toten in den Stadt Masaya befand sich nach seinen Angaben ein 15-Jähriger.

Nicaragua wird seit Wochen von schweren Protesten erschüttert. Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden dabei bereits mehr als 100 Menschen getötet; die Polizei spricht allerdings von 39 Toten.

Die Aktivisten fordern die Absetzung des linken Staatschefs Daniel Ortega, der seit 2007 an der Macht ist. Ortega wird ein autoritärer Regierungsstil vorgeworfen. Die Proteste hatten sich Mitte April an einer geplanten Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge entzündet.

Die angeheizte Atmosphäre schlug zuletzt in unkontrollierte Gewalt um. Vielerorts kam es nachts zu Plünderungen und zu Übergriffen auf Demonstranten. Menschenrechtler machen die Sicherheitskräfte und regierungsnahe Schlägertrupps für die Gewalt verantwortlich. Die Regierung weist alle Vorwürfe zurück.

Menschenrechtler reisten nach Washington, um bei der am Montag beginnenden Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) um Hilfe zu bitten. «Die Länder sollen sich positionieren und die Lage des Landes auf die Agenda setzen», sagte die Vertreterin der Menschenrechtsgruppe Cejil, María Aguiluz.

OAS-Generalsekretär Luis Almagro hatte bereits die linke sandinistische Regierung scharf kritisiert. Uno-Generalsekretär António Guterres forderte Ortega auf, den Besuch eines Vertreters des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte in dem mittelamerikanischen Staat zuzulassen.

Besonders schwer traf die Menschenrechtler am Sonntag der Tod von Kardinal Miguel Obando y Bravo, einem bekannten und bekannte politische Aktivist. Er starb im Alter von 92 Jahren. Der frühere Erzbischof von Managua galt lange als eine Stimme des Friedens und der Versöhnung in seinem Heimatland.

Obando y Bravo wurde in den 1970er Jahren durch seinen wortgewaltigen Einsatz gegen Diktator Anastasio Somoza bekannt. Nach dessen Sturz entwickelte sich Obando y Bravo aber auch zum entschiedenen Gegner der linken Sandinisten um Ortega, als diese 1979 erstmals die Macht übernahmen.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 4. Juni 2018 01:22
aktualisiert: 4. Juni 2018 07:51