Internationaler Hurentag

Sexgewerbe leidet immer noch unter der Pandemie

1. Juni 2022, 20:52 Uhr
Umsatzeinbrüche von über 50 Prozent, kein Anspruch auf Sozialleistungen und Angst um den Aufenthaltsstatus überschatten die Branche, über die oft nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Das pandemiebedingte Verbot sexueller Dienstleistungen hat auch nachträglich Folgen für das Gewerbe.

In einer Medienmitteilung zum internationalen Hurentag informiert das Netzwerk ProCoRe über die weitreichenden Auswirkungen der Pandemie auf das Sexgewerbe.

ProCoRe ist ein gesamtschweizerisches Netzwerk, das die Interessen von Sexarbeitenden in der Schweiz vertritt und sich insbesondere für die Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen einsetzt. ProCoRe anerkennt Sexarbeit als gesellschaftliche Realität sowie als professionelle Tätigkeit. Gleichzeitig bekämpfen sie Ausbeutung, Menschenhandel und Stigmatisierung in der Sexarbeit.

Über 80 Prozent Migrantinnen und Migranten

Wie der Lagebericht zeigt, sind die Einnahmen von Sexarbeitenden zum Teil um über 50 Prozent eingebrochen. Von den Auswirkungen hat sich die Branche bis jetzt noch nicht erholt und das Geschäft läuft schlecht. Nach Schätzungen des Netzwerks sind rund 80 bis 90 Prozent der im Sexgewerbe tätigen Menschen Migranten und Migrantinnen. Viele haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen oder machen sich Sorgen um ihren Aufenthaltsstatus.

Krankheiten und Gewalt durch Verbote

Das vorübergehende Verbot erotischer Dienstleistungen hat laut Beratungsstellen auch andere Probleme mit sich gebracht. Dazu zählen unter anderem sexualisierte Gewalt, ungewollte Schwangerschaften und ein Anstieg von sexuell übertragbaren Krankheiten.

Die Forderung daher sind klar: Sexarbeit als legitime Arbeit anzuerkennen, Abbau der bürokratischen Hürden für legale Arbeit im Sexgewerbe und ein besseres Angebot an Beratungsstrukturen wie Informationen und Sozialleistungen.

(roa)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 2. Juni 2022 08:23
aktualisiert: 2. Juni 2022 08:23
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