Sommerferien zu Hause

So wanderst du diesen Sommer durch Europa

Fabienne Engbers, 29. Mai 2020, 11:44 Uhr
Mit dem Zelt im Rucksack oder von Hütte zu Hütte, einmal quer durch Europa: Auf Weitwanderwegen geht es zu Fuss an die schönsten Plätze. Das kommt uns diesen Sommer besonders entgegen, da man die Ferien spontan planen muss. Tipps und Routenvorschläge gibt's hier.

«Gring abe u seckle!» So lautet das Motto vieler Wanderer – Hauptsache, der Gipfel ist so schnell wie möglich erklommen und am Abend winkt das verdiente Gipfelbier. Will man aber für längere Zeit wandern, dann sollte das Motto wohl eher lauten: «In der Ruhe liegt die Kraft.»

Die Schweiz ist weltweit das Land mit der höchsten Dichte an Wanderwegen. Wenn man also diesen Sommer nicht ans Meer reisen kann, dann locken 248 SAC-Hütten und Tausende von Wanderkilometern an die schönen Plätz hierzulande. Am 15. Juni öffnet die Schweiz die Grenzen zu den Nachbarländern, daher ist auch eine Reise in die Nachbarländer möglich. Welche Weitwanderwege sich deshalb eignen, erfährst du hier.

Jakobsweg: Von Rorschach nach Santiago de Compostela

Der Jakobsweg führt unter anderem mitten durch die Ostschweiz.

© Tagblatt

Der Jakobsweg ist wohl der bekannteste Weitwanderweg Europas. Nicht nur Pilger sind auf ihm unterwegs, er wurde auch ins nationale Wanderwegverzeichnis aufgenommen. Spanien wurde vom Coronavirus lahmgelegt und befindet sich noch im Lockdown, die ganze Strecke von Rorschach nach Santiago würde allerdings auch drei Monate in Anspruch nehmen. Man kann sich also ungeniert einen Teil davon herauspicken und von der Ostschweiz nach Italien oder Frankreich laufen. Hier finden sich wertvolle Informationen zum Pilgern in der Schweiz.

Im neuen Podcast von «Gott und d'Welt» sprechen wir ausserdem übers Pilgern und besuchen die Pilgerherberge in der Stadt St.Gallen.

E1: Vom Nordkap ans Meer (via Konstanz)

Vorbei an Konstanz geht der Europa-Wanderweg 1.

© Keystone/Christian Beutler

Die europäischen Weitwanderwege E1 bis E12 verlaufen durch ganz Europa. Der erste von ihnen geht von Norden nach Süden. Er startet beim Nordkap in Norwegen und endet in Palermo in Italien. Die ganze Strecke beträgt 7000 Kilometer, es bietet sich also ein Einstieg in der Mitte, zum Beispiel in Konstanz, an.

E3: Von Istanbul nach Spanien

Auf einem Bazaar in Istanbul bummeln: Das sollte man momentan wohl noch lassen.

© Keystone/AP Photo/Osman Orsal

Auch Istanbul sollte man im Sommer wohl noch meiden. Aber auch dieser Wanderweg ist ohnehin viel zu lang, um ihn in den Sommerferien komplett abzulaufen. Der E3 verläuft durch die Balkanländer und einmal quer durch Deutschland, hier würde sich ein Einstieg anbieten und irgendwo in Frankreich kann man getrost wieder aussteigen – und vielleicht noch mit dem Zug ans Meer düsen.

E4: Von Zypern nach Portugal

Strandurlaub in Zypern: Den hat man sich nach dem Wandern besonders verdient.

© AP Photo/Petros Karadjias

Dieser Weg verläuft durch Österreich und dann dem Bodensee entlang, von hier aus geht es durch die Romandie nach Frankreich und über die Pyrenäen – auch hier bietet sich vor der spanischen Grenze ein Stopp und ein Abstecher ans Meer an.

Alpenpanoramaweg: Von Rorschach an den Genfersee

Startpunkt der nationalen Route 4: von Rorschach an den Genfersee.

© Tagblatt

Auch eine Reise zu Fuss durch die Schweiz ist im Sommer gut möglich. Mit dem Start in Rorschach bietet sich die nationale Route 3 bis an den Genfersee an. Unterwegs kann man in einer SAC-Hütte oder einer Jugendherberge übernachten und von diversen Gipfeln herabstaunen. Durch die Schweiz führen sieben nationale Routen mit 16 bis 34 Etappen, die Übersicht gibt's hier.

GR10: Entlang der Pyrenäen

Eine Wanderung durch die Pyrenäen empfiehlt sich für Bergpanorama-Liebhaber.

© istock

Entlang der französisch-spanischen Grenze führt der GR10 von Hendaye bis Banyuls-sur-Mer, wo man die Füsse hochlegen kann. Die GR-Wanderwege sind die Weitwanderwege Frankreichs. Der 866 Kilometer lange Weg bietet nebst Meereszugang auch alpine Abschnitte und alle Höhenlagen.

Kolumbanweg: Es darf auch die Ostschweiz sein

Der Kolumbanweg ist mit einer Plakette auch an der Stiftsbibliothek in St.Gallen gekennzeichnet.

© pilgern.ch

Ein weiterer, deutlich unbekannterer Pilgerweg führt von Irland nach Italien. Der Heilige Kolumban war einst mit Gallus unterwegs. Während Gallus auf seiner Reise in der Ostschweiz blieb, zog es Kolumban südwärts. Seit neuestem gibt es in der Schweiz eine App, welche die Reise auf dem Kolumbanweg erleichtert.

GTA: Einmal durch die italienischen Alpen

Mit Blick auf die Dolomiten wandert man durch die Alpen Italiens.

© EPA/CHRISTIAN TSCHURTSCHENTHALER

Vino, Olivenhaine und Strand: Markenzeichen von Bella Italia. Die Grande Traversata delle Alpi allerdings zeichnet ein anderes Bild von Italien. Gipfel vernab von Touristenströmen gibt es hier zu erkunden. Der 1000 Kilometer lange Weg führt in 65 Etappen von Molini di Calasca nach Ventimaglia am Meer.

Tipps und Tricks zum Weitwandern

Wen nun die Lust, eine längere Tour zu unternehmen, gepackt hat, für den halten erprobte Wanderer einige Tipps bereit, die wir zusammengetragen haben.

  • Die Route vorab einigermassen festlegen und einen Wanderführer mitnehmen. Der zeigt auch an, wo es Einkaufs-, Unterkunft-, und Wasserauffüllmöglichkeiten gibt.
  • Blasenpflaster nicht vergessen! Ihr wisst, warum.
  • Nicht zu viel einpacken! Zelt, Schlafsack und Mätteli, Kochutensilien, Kleider und Esswaren sind okay. Schminkzeug, Laptop und drei verschiedene Badehosen braucht es nicht.
  • Offen auf Leute zugehen. Wenn man auf einem Langwanderweg unterwegs ist und von seinen Abenteuern erzählt, laden einen Bauern auch mal gerne zum Kaffee ein oder stellen ihren Stall als Übernachtungsgelegenheit gerne zur Verfügung.

Und jetzt: Viel Spass beim Entdecken!

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 29. Mai 2020 11:21
aktualisiert: 29. Mai 2020 11:44