Buschbrände

Soll man überhaupt für Australien spenden?

Noémie Bont, 15. Januar 2020, 11:00 Uhr
Die Bilder von den Buschbränden in Australien schockieren – leidende Tiere, zerstörte Natur und flüchtende Menschen. Diese haben in der Schweiz eine regelrechte Spendewelle ausgelöst. Doch von Spenden rät ein deutscher Experte dringend ab.

In Australien ist bereits eine Fläche so gross wie mindestens zweimal die Schweiz abgebrannt. Mehr als eine Milliarde Tiere sind laut Schätzungen von WWF gestorben, viele Einheimische mussten ihre Häuser verlassen. Diese Tatsachen lösen in der Schweiz ein hohes Mitgefühl und eine grosse Solidaritätswelle aus – viele beteiligen sich mit einer Geldspende über Aktionen auf Social Media oder über eine Organisation. 

Spendenaktionen überfordern Australien

Doch statt damit Australien zu helfen, überfordern sie das Land. «Die Situation ist bisher auch für australische Organisationen und Experten kaum noch überschaubar. Sie können noch nicht abschätzen, für welche Zwecke Spenden konkret benötigt werden», sagt Burkhard Wilke, der Geschäftsführer des DZI (Deutsches Zentralinstituts für soziale Fragen) gegenüber dem Radiosender SWR3. Eine kleine regionale freiwillige Feuerwehr könne durch grosse Summen aus dem Internet überfordert werden. 

Experte Wilke stützt sich da auf Erfahrungen aus vergangenen Katastrophen. 2005 beispielsweise wurden die USA nach dem Hurrikan Katrina von Spenden überhäuft und das führte anschliessend zu Überzahlungen, «weil erst später erkennbar war, welche Schäden von Versicherungen abgedeckt waren und wo noch Bedarf übrig blieb».

Werbung

Quelle: CH Media Video Unit / AP Video

Erst spenden, wenn danach gefragt wird

Wo in Australien überall Spendengelder eingesetzt werden können, könne man erst in ein paar Wochen feststellen, sagt Wilke und verweist dabei auf einen Grundsatz der humanitären Hilfe: «Man bietet und leistet Hilfe erst dann an, wenn der Hilfsbedürftige konkret darum bittet. Was die australische Regierung meines Wissens noch nicht getan hat.» 

400'000 Franken von WWF Schweiz 

Auf ein Hilferuf der australischen Regierung wartet der WWF aber nicht. Er setzt sich schon seit längerem dafür ein, dass die Lebensräume bedrohter Arten in Australien wiederhergestellt werden, sagt Jonas Schmid vom WWF Schweiz. «Sie waren schon vor den Bränden durch Rodungen zur Gewinnung von Siedlungsflächen und Landwirtschaftsland bedroht.» Zudem sei die australische Regierung nicht gerade bekannt dafür, sich für konsequenten Umweltschutz einzusetzen. Die Gelder, welche der WWF Schweiz durch seinen Spendenaufruf einnimmt, fliessen vollumfänglich nach Australien.

Nach der Brandkatastrophe will der WWF Australien innert 10 Jahren rund 2 Milliarden Bäume pflanzen, um die Lebensräume von Menschen und Tieren wieder herzustellen. Zudem leistet er Soforthilfe an lokale Organisationen, die sich um verletzte Wildtiere kümmert. «Bisher sind im Spendenaufruf Stand jetzt 400'000 Franken zusammengekommen», so Schmid. 

Werbung

Quelle: CH Media Video Unit / AP

Wie auch das Schweizerische Rote Kreuz, die eine Organisation vor Ort hat. «Bisher sind 30'000 Franken zusammengekommen. Damit werden die Bewohner vor Ort betreut und gepflegt», so Katharina Schindler vom SRK gegenüber FM1Today. 

Nacktbilder für Australien 

Neben ganz viel Prominenz, beispielsweise Sängerin Pink, Sänger Elton John oder Schauspieler Liam Hemsworth, die alle Millionen Beträge gespendet haben, ist die Katastrophe Australien auch bei vielen Influencern ein Thema. Die wahrscheinlich speziellste Sammelaktion liess sich ein Model und eine Influcenerin aus Los Angeles einfallen. Die 20-jährige Kaylen Ward versprach für jede Spende im Wert von mindestens zehn Dollar ein Nacktbild von sich an den Spender.

Und so kam im Nu über eine Million Dollar zusammen. Mittlerweile hat sie die Aktion allerdings beendet wegen zu vielen Nachfragen. 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. Januar 2020 10:56
aktualisiert: 15. Januar 2020 11:00