Stand Todesschütze unter Drogen?

Dumeni Casaulta, 1. August 2017, 15:55 Uhr
Die Polizei klärt im Moment ab, ob der Todesschütze von Konstanz unter Drogeneinfluss stand.
Die Polizei klärt im Moment ab, ob der Todesschütze von Konstanz unter Drogeneinfluss stand.
© KEYSTONE/DPA/Christoph Schmidt
Nach der Bluttat an einer Konstanzer Diskothek ist der Schock in der deutschen Stadt am Bodensee noch immer gross. Die Ermittler versuchen derzeit zu klären, wie der Täter zu seiner Waffe kam und ob er Drogen genommen hat.

Eine Obduktion soll Klarheit bringen, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Voraussichtlich ist die Untersuchung im Laufe des Tages abgeschlossen.

Neben einem möglichen Drogeneinfluss würden auch die Todesursache des 34-Jährigen Täters bestimmt sowie eventuelle weitere Verletzungen untersucht. Auch der Leichnam des bei der Schiesserei in Konstanz getöteten Türstehers werde obduziert.

Der Todesschütze hatte in der Nacht zum Sonntag mit einem Sturmgewehr Schüsse beim Tanzlokal im Konstanzer Industriegebiet abgefeuert. Ein Türsteher wurde getötet, drei Menschen wurden schwer und sieben leicht verletzt. Der Täter starb nach einem Schusswechsel mit der Polizei später im Spital.

Der Mann irakisch-kurdischer Herkunft war als Kind im Jahr 1991 nach Deutschland gekommen. Er ist vorbestraft unter anderem wegen Körperverletzung und Drogendelikten.

Woher stammt die Waffe?

Einen Terror-Hintergrund schliesst die Polizei aus. Nach bisherigen Ermittlungen geht sie von einem Einzeltäter aus. Wie der Mann an die Waffe kam, ist derzeit noch unklar. Unter anderem wird abgeklärt, ob die Waffe aus Armeebeständen stamme oder aus einzelnen Teilen, die der Täter sich möglicherweise im Darknet beschafft hatte.

Neben der Waffe untersucht die Sonderkommission auch die Hintergründe der Tat, sagte der Sprecher weiter. So werde etwa das Verhältnis zwischen dem Täter und seinem Schwager - der den Konstanzer Club «Grey» vor Ort für eine Gesellschaft leitete - abgeklärt. Auch der Grund, warum es zum Streit kam, sei Gegenstand der Ermittlungen.

Zeugen würden ebenfalls befragt - dabei müsse man sehr behutsam vorgehen, da diese teilweise noch unter dem Schock des Erlebten stünden. Die Stadt Konstanz hat für Betroffene und Augenzeugen einen Telefondienst zur psychosozialen Erstberatung eingerichtet, wie sie am Montag mitteilte.

«Du bist ein Held»

Der betroffene Club «Grey» teilte unterdessen auf Facebook mit, bis Ende der Woche nicht mehr zu öffnen. «Wir bitten um Euer Verständnis, dass das Grey auch diesen Mittwoch noch geschlossen bleibt und wünschen allen Betroffenen und Verletzten weiterhin gute Besserung.»

Auf ihrer Homepage kündigte die Diskothek «Grey» als nächste Veranstaltung eine Party für Freitagabend an. Die Einnahmen an diesem Abend sollen laut «Südkurier» an die Familien der Opfer gehen.

Die Diskothek gedachte am Dienstag auch dem getöteten Mitarbeiter. Der Türsteher habe sein Leben gegeben, um Gäste und Personal zu schützen, schrieben die Betreiber in einer Mitteilung bei Facebook. «Du bist ein Held und wir werden Dich niemals vergessen.»

Dumeni Casaulta
Quelle: SDA/red.
veröffentlicht: 1. August 2017 15:48
aktualisiert: 1. August 2017 15:55