Autoindustrie

Tesla will Fabrik im Grossraum Berlin bauen

13. November 2019, 05:48 Uhr
Tauchte überraschend in Berlin auf und verkündete Pläne für eine neue Auto-Grossfabrik in Deutschland: Tesla-Konzernchef Elon Musk.
© KEYSTONE/EPA/CLEMENS BILAN
Der US-Elektroautobauer Tesla will eine neue Autofabrik im Grossraum Berlin errichten. Das sagte Konzernchef Elon Musk am Dienstag bei einer Veranstaltung in der deutschen Haupstadt. Die "Gigafactory 4" solle in der Nähe des neuen Flughafens entstehen.

In der Stadt solle zudem ein Ingenieurs- und Designzentrum angesiedelt werden. Der Elektroautopionier hatte zuvor angekündigt, in Kürze den Standort seiner europäischen Fertigungsanlage bekanntzugeben, in der ab 2021 produziert werden soll. Tesla, das bisher in der Heimat USA produziert, zieht derzeit eine Fabrik in China hoch.

Es sollen rund 10'000 Arbeitsplätze entstehen, hiess es auf der Website der "Bild". In dem Werk sollen unter anderem Akkus für die Elektroautos produziert werden.

Musk twitterte in der Nacht zum Mittwoch, das Model Y solle das erste Fahrzeug aus dem Werk sein. Der Kompakt-SUV auf Basis des jetzigen Tesla-Hoffnungsträgers Model 3 könne nach Einschätzung von Experten zum meistverkauften Fahrzeug der Firma werden.

Schub für die Region

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach von einer "hervorragenden Nachricht für unser Land". Brandenburg habe sich bereits "seit längerem in intensiven Gesprächen" dafür eingesetzt, den Zuschlag für den Standort zu erhalten, erklärte Woidke. "Die Giga-Fabrik wird Brandenburg als innovativen und internationalen Standort einen weiteren Schub und sehr vielen Menschen gute Arbeit geben."

Tesla hatte erst vergangenen Monat den Start der Produktion auf Versuchsbasis in seiner neuen Fabrik in China bekanntgegeben. Die sogenannte Gigafactory in Shanghai wurde nach Unternehmensangaben in nur zehn Monaten gebaut. Die Fabrik soll einmal eine jährliche Kapazität von 500'000 Autos erreichen. Tesla erhofft sich davon einen ordentlichen Produktionsschub und einen direkten Zugang zum dynamischen chinesischen Markt für Elektrofahrzeuge.

Tesla war im vergangenen Monat an der Wall Street mit einem Börsenwert von 53 Milliarden Dollar zum wertvollsten amerikanischen Autobauer aufgestiegen. Der Elektrowagen-Bauer überholte damit das Traditionsunternehmen General Motors (GM), das damals auf 51 Milliarden Dollar kam. Tesla hatte Ende Oktober einen Quartalsgewinn von 143 Millionen Dollar bekanntgeben. Experten hatten eigentlich mit einem Verlust gerechnet.

Schritt mit Symbolkraft

Tesla ist ein Vorreiter bei der Elektromobilität, kämpfte aber angesichts teurer und verzögerter Produktions-Anläufe bei neuen Modellen immer wieder mit hohen Verlusten. Zugleich wird praktisch nach jeden Quartalszahlen der Firma diskutiert, ob die Nachfrage nach Elektroautos generell stark genug ist, um Musks ambitionierte Wachstumspläne zu tragen. Auch zeichnet sich wachsende Konkurrenz aus China ab, wo Elektrofahrzeuge massiv vom Staat gefördert werden.

Die Ansiedlung der Fabrik in Deutschland hat auch symbolische Kraft. Tesla wagt sich ins Heimatland der deutschen Premium-Autobauer, die oft um die selben Käufer-Schichten kämpfen - so kommt das Model 3 als direkter Gegenspieler von BMWs 3er-Reihe daher. Die Deutschen sind gerade auch dabei, ein breiteres Angebot an Elektro-Fahrzeugen auf die Beine zu stellen. Tesla kaufte vor drei Jahren den deutschen Maschinenbauer Grohmann, der auf Fertigungslinien spezialisiert ist.

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. November 2019 03:05
aktualisiert: 13. November 2019 05:48