Türkischer Kulturmäzen vor Gericht

5. März 2019, 16:58 Uhr
Der Journalist Can Dündar (im Bild), der türkische Kulturmäzen und Bürgerrechtler Osman Kavala und weitere Mitangeklagte stehen im Juni in Istanbul wegen "Versuchs zum Sturz der Regierung" vor Gericht.
Der Journalist Can Dündar (im Bild), der türkische Kulturmäzen und Bürgerrechtler Osman Kavala und weitere Mitangeklagte stehen im Juni in Istanbul wegen "Versuchs zum Sturz der Regierung" vor Gericht.
© KEYSTONE/EPA/SASCHA STEINBACH
Der türkische Kulturmäzen und Bürgerrechtler Osman Kavala kommt am 24. Juni wegen «Versuchs zum Sturz der Regierung» in Istanbul vor Gericht. Der Prozess gegen Kavala und 15 Mitangeklagte im Gefängnis von Silivri am Rande der Bosporus-Metropole stattfinden.

Dies berichtete die Nachrichtenagentur DHA am Dienstag. Unter den Mitangeklagten sind der Schauspieler Ali Alabora und der Journalist Can Dündar, der im Exil in Deutschland lebt. Ein Gericht hatte am Montag die Anklageschrift gegen Kavala und die anderen Angeklagten angenommen.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, die Gezi-Proteste im Sommer 2013 unterstützt zu haben, um die Regierung von Recep Tayyip Erdogan zu stürzen. Sie fordert daher lebenslange Haft. Aus Sicht von Menschenrechtlern entbehren die Vorwürfe jeder Grundlage und sind politisch motiviert.

Die Gezi-Proteste hatten sich im Mai 2013 an Plänen zur Bebauung des kleinen Gezi-Parks im Zentrum Istanbuls entzündet. Nach einem brutalen Polizeieinsatz gegen Umweltschützer in der Grünanlage weitete sich die Protestbewegung auf das ganze Land aus. Erst nach mehreren Wochen gelang es Erdogan, die Proteste zu unterdrücken. Er sieht darin heute einen Versuch zum Sturz seiner Regierung.

Der 1957 geborene Geschäftsmann Kavala ist der Gründer eines wichtigen Verlags und setzt sich mit seiner Organisation Anadolu Kültür für die Verständigung zwischen den Volksgruppen in der Türkei ein. Vor seiner Festnahme im Oktober 2017 war er ein international geschätzter Gesprächs - und Kooperationspartner - auch für das deutsche Goethe-Institut, das wiederholt mit ihm zusammenarbeitete.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 5. März 2019 16:49
aktualisiert: 5. März 2019 16:58