Über 300 Verletzte in Katalonien

1. Oktober 2017, 15:29 Uhr
üBei den Polizeiaktionen zur Verhinderung des umstrittenen Unabhängigkeitsreferendums in der spanischen Region Katalonien sind nach amtlichen Angaben Hunderte Bürger verletzt worden. Es gebe bereits 337 Verletzte, teilte die katalanische Regionalregierung mit. Auf sozialen Medien wird das Vorgehen scharf kritisiert.

«Was Ihr mit uns macht, erinnert mich an Franco», schreiben Twitter-User, die mitten im Geschehen von Barcelona sind. Die vermummten Einsatzkräfte der Behörden wollen die Bevölkerung mit aller Gewalt daran hindern, an den laufenden Abstimmungen teilzunehmen. Die Bilder von den Auseinandersetzungen sind schockierend.

Einem Bericht der Zeitung «El Periodico» zufolge setzte die Polizei an einer Kreuzung in Barcelona Gummigeschosse ein. Davon hätten mehrere Menschen berichtet, hiess es.

 

 

 

 

 

 

Experten der staatlichen Polizeieinheit Guardia Civil setzten am Samstag das Stimmenauszählungssystem der Region ausser Betrieb. Die illegale Abstimmung sei somit endgültig «annulliert» worden, sagte ein Sprecher der Zentralregierung.

Polizei soll Stimmabgabe verhindern

Mehr als 5,3 Millionen Menschen sind aufgerufen, in einem der 2315 Wahllokale ihre Stimme abzugeben. Ministerpräsident Mariano Rajoy beteuerte mehrfach, das Referendum werde nicht stattfinden. Die Generalstaatsanwaltschaft wies die Polizei an, die Wahllokale abzusperren und die Stimmabgabe am Sonntag zu verhindern.

Pyjama-Partys in Wahllokalen

In ganz Katalonien besetzten deshalb schon in der Nacht zum Samstag Politiker, Lehrer und Eltern zum Teil mit ihren Kindern zahlreiche Schulen und weitere öffentliche Gebäude, die als Wahllokale dienen sollen. Sie veranstalteten unter anderem Filmvorführungen (etwa einen «Harry-Potter-Marathon»), Paella-Essen und Pyjama-Partys.

Die Zahl der Befürworter einer Abspaltung Kataloniens von Spanien lag in den vergangenen Jahren zwischen knapp 40 und 50 Prozent. Schon seit 2012 finden immer wieder Massendemonstrationen der Separatisten statt. Kundgebungen der Gegner des Referendums und der Unabhängigkeit gab es in Barcelona allerdings kaum.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 1. Oktober 2017 11:57
aktualisiert: 1. Oktober 2017 15:29