Ukraine

Unicef-Chefin appelliert an Putin: «Kinder können nichts für Krieg»

19. März 2022, 06:29 Uhr
Die Direktorin des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, Catherine Russell, appelliert angesichts der humanitären Notlage in der Ukraine an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Angriffe seiner Armee sofort zu beenden.
Catherine Russell, Direktorin des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, ist seit Februar neu im Amt. (Archivbild)
© Keystone/DPA/JÖRG CARSTENSEN

«Sie müssen diesen Krieg stoppen! Er ist furchtbar. Seine Auswirkungen auf Kinder sind inakzeptabel und abscheulich», sagte Russell der Nachrichtenagentur DPA. Die US-Amerikanerin ist seit Februar neu im Amt.

Die Menschen vor Ort und die fliehenden Frauen und Kinder seien «vollkommen unschuldig» und hätten mit dem Konflikt nichts zu tun, sagte Russell. «Sie haben das nicht verdient.»

Anlaufstellen eingerichtet

Russell äusserte sich sehr besorgt über die Entwicklung in der Ukraine, wo die russischen Angriffe auch drei Wochen nach Kriegsbeginn am 24. Februar weitergehen. 148 Mitarbeiter von Unicef seien noch im Land, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen, berichtete Russell.

Entlang der Fluchtrouten hat das Hilfswerk nach eigenen Angaben 26 Anlaufstellen, sogenannte «Blue Dots», eingerichtet, um geflüchtete Menschen zu versorgen und bei bürokratischen Hürden zu vermitteln. Dabei gehe es auch darum, die Menschen zu registrieren, erklärte Russell. Die Hilfsorganisation achte darüber hinaus darauf, dass es nicht zu Menschenhandel und zur Mitnahme von Kindern durch Fremde komme.

Schnellster Flüchtlingszustrom

«Es handelt sich um den schnellsten Flüchtlingszustrom seit dem Zweiten Weltkrieg. Das ist eine grosse Herausforderung für die aufnehmenden Länder», sagte Russell. Sie habe in Gesprächen an der ukrainischen Grenze zu Rumänien öfter gehört, dass die Geflüchteten «bald wieder nach Hause» wollten. Aber das sei erfahrungsgemäss nicht sehr realistisch, sagte Russell.

Die Unicef-Chefin erinnerte auch an die Lage von Kindern in anderen Krisengebieten wie Afghanistan und Jemen, die aktuell nicht mehr so im Fokus der Öffentlichkeit stünden. In Afghanistan etwa gebe es aktuell eine «schreckliche humanitäre Krise». Kinder drohten zu verhungern. «Wir gehen davon aus, dass in den nächsten zwei, drei Monaten 95 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben werden», sagte Russell.

Ihre Organisation hat nach eigenen Angaben 15'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 190 Ländern - die meisten davon in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie in Krisengebieten.

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. März 2022 06:29
aktualisiert: 19. März 2022 06:29
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