«Werden uns mit allen Ländern verstehen»

Raphael Rohner, 9. November 2016, 14:41 Uhr
Donald Trump wurde in der Nacht auf Mittwoch zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Wir haben die Wahl für euch zusammengefasst.

«Es war ein Wahlkrimi der besonderen Art», da sind sich Politologen und Experten auf der ganzen Welt einig. Man redete gar von einem politischen Erdbeben. Der Republikaner Donald Trump gewinnt nach einer stundenlangen Zitterpartie überraschend die Präsidentschaftswahl in den USA. Fast alle Umfragen lagen daneben. Der Milliardär wird am 20. Januar als der 45. Präsident in das Weisse Haus einziehen. Er kann beim Regieren auf die republikanische Mehrheit Kongress und im Repräsentantenhaus setzen.

Sondersitzungen wegen Trump

Auf der ganzen Welt fürchteten sich Politiker, Finanzspezialisten und Gesellschafter vor möglichen Konsequenzen einer Wahl Trumps. Der Unternehmer konnte die besonders umkämpften Staaten Florida, North Carolina, Ohio und Wisconsin für sich entscheiden, was ihm am Ende den Sieg bescherte. Hillary Clinton lag bis in die frühen Morgenstunden gleichauf mit dem konservativen Millionär. In seiner ersten Rede nach der Wahl äusserte sich Trump versöhnlich: «Wir werden uns mit allen anderen Ländern verstehen, die willens sind, sich mit uns zu verstehen», sagte er.

«Zusammen werden wir unser Land wieder aufbauen und den Amerikanischen Traum wiederauferstehen lassen»

Über seine Rivalin Hillary Clinton sagte er, das Land müsse ihr dankbar sein. Die Ex-Aussenministerin war als Favoritin in die Wahl gegangen, Umfragen hatten der 69-Jährigen einen leichten Vorsprung vorausgesagt. Clinton habe ihm in einem Telefonanruf gratuliert, sagte Trump. Allerdings räumte die Demokratin ihre Niederlage noch nicht öffentlich ein und verzichtete in der Nacht auf eine Rede. Clinton gewann von den sogenannten Swing States lediglich Nevada, Virginia und Colorado. Vor allem in mehreren Bundesstaaten im sogenannten Rostgürtel der USA, einer einst florierenden und inzwischen vom wirtschaftlichen Abschwung geprägten Industrieregion, konnte sie nicht überzeugen. Ihre Niederlage dürfte das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten. Hillary Clinton tauchte nach ihren Glückwünschen an Trump unter und liess sich nicht mehr blicken.

«make america great again» - nach den Slogans folgt die Hoffnung

Trump hatte mit populistischen Parolen Wahlkampf gemacht. Er wetterte immer wieder gegen Einwanderung, internationale Handelsabkommen und Globalisierung und machte diese für den Verlust von Arbeitsplätzen in den USA verantwortlich. Seine Stimmungsmache verfing offensichtlich stärker, als es Meinungsforscher vorausgesehen hatten. Der 70-jährige Trump ist ein politischer Quereinsteiger, ein politisches Amt hatte er nie inne. Seine Qualifikation begründete er in der Vergangenheit auch mit seinen Leistungen als Unternehmer. Die aber sind keineswegs so glorreich, wie er immer wieder behauptet. Innerhalb von 18 Jahren meldeten vier Firmen aus seinem Casino-Imperium Insolvenz an. Trump ist zum dritten Mal verheiratet und hat fünf Kinder.

Börsen verloren wegen Trump an Boden

Die Märkte reagierten auf Trumps Wahlsieg mit starken Kursschwankungen. Die US-Aktienmärkte sackten am Mittwoch im nachbörslichen Handel um mehr als fünf Prozent ab. Auch die asiatischen Börsen waren auf Talfahrt. Japan veranlasste eine Sondersitzung um über die möglichen Auswirkungen zu verhandeln. Die mexikanische Währung fiel gegenüber dem Dollar auf ein historisches Rekordtief. Trump hatte sich im Wahlkampf immer wieder abfällig über Mexikaner geäussert und er will eine Mauer an der Mexikanischen Grenze errichten. Diese würde aber laut Schätzungen von Experten das Budget der USA sehr stark belasten.

Die Wahl zwischen Pest und Cholera

Beide Kandidaten hatten sich in den vergangenen Wochen erbitterte Auseinandersetzungen geliefert. Der Wahlkampf gilt als einer der härtesten und schmutzigsten der amerikanischen Geschichte. Er war geprägt von persönlichen Beleidigungen. Noch nie in der Geschichte der US-Wahlen waren zwei Kandidaten gleichermassen unbeliebt: Trump wegen seiner Art und seiner Ausfälle, Clinton wegen ihrer Nähe zum bestehenden System. Die Wähler entschieden nicht wen sie lieber im Amt hätten, sondern wen sie nicht als Präsidenten wollten.

So verlief die Wahlnacht in Bern:

Raphael Rohner
Quelle: sda/red
veröffentlicht: 9. November 2016 11:31
aktualisiert: 9. November 2016 14:41