Libanon

145 Verletzte am zweiten Tag gewaltsamer Proteste in Beirut

20. Januar 2020, 05:46 Uhr
Die Wut vieler Libanesen auf ihre korrupte politische Führung lässt sich nicht mehr besänftigen und setzt auch die Hauptstadt Beirut in Brand.
© KEYSTONE/AP/HM
In der libanesischen Hauptstadt Beirut ist es den zweiten Abend in Folge zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen regierungskritischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Laut dem libanesischen Roten Kreuz wurden am Sonntag 145 Menschen verletzt.

Von diesen mussten 45 Menschen in Krankenhäusern behandelt werden. Bereits am Samstag mussten mindestens 377 Menschen medizinisch versorgt werden. Es handelte sich um den gewalttätigsten Tag seit Beginn der Proteste vor drei Monaten.

Am Sonntagabend versammelten sich erneut hunderte Demonstranten im Zentrum von Beirut. Sie riefen "Revolution, Revolution" und warfen mit Steinen und Knallkörpern auf eine Strassensperre der Sicherheitskräfte. Polizisten feuerten Gummigeschosse ab und setzten Wasserwerfer und Tränengas ein.

Laut der amtlichen Nachrichtenagentur ANI berief Präsident Michel Aoun angesichts der Eskalation der Gewalt für Montag ein "Sicherheitstreffen" ein, an dem die Minister für Verteidigung und Inneres teilnehmen sollen.

Nach Angaben eines Komitees von Anwälten wurden etwa 40 Demonstranten am Samstag vorübergehend festgenommen. "Die Mehrheit" von ihnen sei Opfer von "exzessiver Gewalt" gewesen, einige der Demonstranten hätten Verletzungen "am Kopf, im Gesicht oder an den Geschlechtsorganen". In den Krankenhäusern hätten sie Verletzungen festgestellt, die durch Gummigeschosse im Gesicht und am Kopf verursacht worden seien.

Der Libanon wird seit Mitte Oktober von beispiellosen Protesten gegen Korruption und Misswirtschaft erschüttert. Die Wut der Bevölkerung hat in den vergangenen Wochen noch zugenommen, weil sich ihre wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert und es mehr als zwei Monate nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Saad Hariri noch immer keine neue Regierung gibt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. Januar 2020 22:30
aktualisiert: 20. Januar 2020 05:46