Hochwasserschutz

Zu enges Flussbett für Thur - IG kritisiert Hochwasserschutzprojekt

13. September 2022, 12:31 Uhr
Die IG Lebendige Thur kritisiert das Hochwasserschutz-Projekt Thur+ des Kantons Thurgau: Die vorgesehenen Gewässerräume von 15 Metern beidseits des Flusses reichten bei weitem nicht aus, um Hochwasserschutz, Naherholung und Naturschutz in Einklang zu bringen.
So könnte die Thur bei Frauenfeld nach einer grosszügigen Renaturierung aussehen - die «IG Lebendige Thur» setzt sich dafür ein und kritisiert den Kanton. (Visualisierung)
© IG Lebendige Thur
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Der Kanton sei gerade daran, «eine Jahrhundertchance zu verspielen», heisst es in einer Stellungnahme der IG Lebendige Thur vom Dienstag. Mit dem im vergangenen April verabschiedeten Projekt breche der Kanton Bundesvorgaben, gefährde den Hochwasserschutz und bringe die Bevölkerung um ein Naturparadies.

Es sei «ein mutloses Konzept voller technischer Mängel», erklärte Christian Hossli, Geschäftsführer der IG gegenüber der SDA. In einer Umfrage von 2020 hätten 70 Prozent der Befragten angegeben, dass ihnen ein breites Flussbett mit Auenwäldern, vielfältige Tier- und Pflanzenarten sowie der Zugang zu einem natürlichen Fluss wichtig seien.

«Leider wurden diese Vorgaben vom Kanton kaum gewichtet», kritisiert die IG. Die Beschränkung der Gewässerräume auf ein Minimum von 15 Metern beidseitig verstosse zudem gegen Bundesrecht. Der Plan, erst bei künftigen Revitalisierungsprojekten abschnittsweise mehr Raum zur Verfügung zu stellen, schaffe Rechtsunsicherheit und provoziere Konflikte.

Die IG Lebendige Thur sei «erstaunt über dieses Vorgehen und enttäuscht vom verabschiedeten Gesamtprojekt». Der Kanton müsse die Fehler dringend korrigieren. Sonst verletze das Konzept geltendes, übergeordnetes Recht und werde den Bedürfnissen von Mensch und Natur nach einer lebendigen Thur nicht gerecht.

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. September 2022 12:37
aktualisiert: 13. September 2022 12:37