Wenn ein Tief so heisst wie du

Das Sturmtief Burglind hat die Schweiz und Deutschland durchgeschüttelt.
Das Sturmtief Burglind hat die Schweiz und Deutschland durchgeschüttelt. © KEYSTONE/DPA/Boris Roessler
Burglind, Evi, Friederike. Die Tiefs sorgten schon zu Jahresbeginn für Aufsehen. Ihre Namen bekommen sie in Berlin, einige sind noch frei.

Burglind fegte über die Schweiz und richtete einen Millionenschaden an, auch ihre Nachfolgerinnen Evi und Friederike sorgten für Schäden, in Europa starben wegen Friederike zehn Menschen. Die Namen dieser Stürme prägen sich in unser Gedächtnis, wie auch der Sturm Lothar im Jahr 1999. Ihre Namen bekommen die Tiefdruckgebiete in Berlin. Kaufen kann man sie von der ganzen Welt aus.

Vorbild war die USA

«Schon seit den 50er-Jahren bekommen Hoch- und Tiefdruckgebiete im deutschsprachigen Raum Namen», sagt Sebastian Wölk, studentischer Mitarbeiter bei der Aktion Wetterpate. Das Institut für Meteorologie in Berlin hat die Aktion ins Leben gerufen. Vorbild für die Namensgebung waren die Hurrikans in den USA. Diese erhalten ebenfalls Namen, um sie auf der Wetterkarte einfacher zu sehen.

Seit 2002 werden die Namen öffentlich vergeben, Privatpersonen können sich einen Namen kaufen. Grund war das Wegfallen der Finanzierung für die Wetterstation, die von Studierenden betrieben wird. «Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, nutzen wir die Einnahmen aus dem Verkauf der Tiefs und Hochs», sagt Wölk. Seit mehr als 110 Jahren werden an der Freien Universität Berlin Klimadaten gesammelt, diese Reihe soll fortgeführt werden. Wer sich ein Tief kaufen will, zahlt dafür 199 Euro, ein Hoch kostet 299 Euro.

Die ersten Tief- und Hochdruckgebiete im Jahre 1954 hiessen Anka und Albert.

Es gibt noch freie Buchstaben

Von Jahr zu Jahr geht die Wetterstation das Alphabet durch. «Bei den Hochs kommen wir etwa zwei Mal durchs Alphabet, bei den Tiefs fünf Mal», sagt Sebastian Wölk. Die Tiefs seien kürzer, daher gehe es dort schneller, bis das nächste aufzieht. Für das Jahr 2017 gibt es noch einige Buchstaben, die noch nicht vergeben sind. Allerdings betreffen diese speziellere Anfangsbuchstaben wie W, O oder X, Y und Z. In diesem Jahr tragen alle Tiefdruckgebiete einen Frauennamen, die Hochdruckgebiete sind männlich. Nächstes Jahr ist es wieder umgekehrt.

«Die einzige Anforderung für einen Namen ist, dass ihn tatsächlich jemand trägt. Das heisst, er muss standesamtlich anerkannt sein», sagt Sebastian Wölk. Wo auf der Welt der Name eingetragen wurde, ist völlig egal. So können auch Schweizerinnen und Schweizer ein Hoch- oder Tiefdruckgebiet kaufen.

«Wer zuerst kommt, kriegt den ersten Platz»

Oftmals klingen die Namen der Hochs und Tiefs speziell. Das liegt aber nicht daran, dass sich die Meteorologen die Namen aussuchen. «Wer zuerst kommt, kriegt den ersten Platz auf der Liste», sagt Wölk. Schuld an den kurrligen Namen wie Burglind, Friederike, Wiebke oder Annegret sind die Namensgeber. «Oft sind ältere Menschen wetterinteressiert und geben den Wetterlagen die Namen. Daher kommen die älteren Namen», sagt Wölk.

Wer sich ein Hoch oder Tief kaufen möchten, kann das hier tun.

(enf)


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