Wer kann Beni Würth noch stoppen?

Von Fabienne Engbers
Beni Würth direkt nach der finalen Bekanntgabe seines Wahlergebnisses.
Beni Würth direkt nach der finalen Bekanntgabe seines Wahlergebnisses. © FM1Today/Fabienne Engbers
Der erste Wahlgang bei den St.Galler Ständeratswahlen am Sonntag zeigte ein klares Bild: Die St.Gallerinnen und St.Galler wollen, dass Beni Würth das Volk zusammen mit Paul Rechsteiner im Ständerat vertritt. Wer kann dem CVP-Favoriten die Stirn bieten?

Es wurde vor allem gelacht, als das Resultat des ersten Wahlgangs im Pfalzkeller in St.Gallen verkündet wurde. Hände wurden geschüttelt, nur wenige schüttelten enttäuscht die Köpfe. Allen voran strahlte Beni Würth, der fast doppelt so viele Stimmen holte wie seine beiden nächsten Verfolger, Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP) und Mike Egger (SVP). Aber auch die Verfolger sind zufrieden mit dem Ergebnis. Für den zweiten Wahlgang wollte noch kein Kandidat definitiv zusagen, viele haben aber angedeutet, dass sie nicht abgeneigt sind.

Beni Würth gibt weiter Vollgas

Der 51-jährige Regierungsrat Beni Würth hat die Nase zwar vorn, dass dies aber so deutlich sein wird, war für ihn eine Überraschung. «Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen», sagt Beni Würth nach der Veröffentlichung des Ergebnisses. Der Rapperswiler holte 37’613 Stimmen. «Ich habe gehofft, dass ich vorne liege, dass der Abstand so deutlich ist, war aber nicht unbedingt zu erwarten.» Schaut man sich das Ergebnis an, sieht man, dass Beni Würth auch parteiübergreifend und über seine Stammwähler hinaus Stimmen geholt hat.

Trotz des grossen Vorsprungs will er aber weiterhin Vollgas geben. «Wir werden alles daran setzen, eine gute Kampagne zu machen und weiter zu mobilisieren», sagt Würth. Da am 19. Mai nicht nur der zweite Wahlgang der Ständeratswahlen stattfindet, sondern auch weitere Themen zur Abstimmung kommen, wird eine höhere Stimmbeteiligung erwartet. Die Stimmbeteiligung beim ersten Wahlgang lag nur bei 31 Prozent. «Jetzt geht es darum, weiter zu mobilisieren.»

Regierungsrat Beni Würth, rechts, CVP und FDP-Kandidatin Susanne Vincenz-Stauffacher, links, warteten zusammen auf den Wahlausgang der Ständeratswahlen in St.Gallen. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

«Ich freue mich über den 2. Platz»

Susanne Vincenz-Stauffacher liegt mi 25’071 Stimmen auf Platz 2, deutlich hinter Beni Würth. Nichtsdestotrotz ist die FDP-Kandidatin mit dem Ergebnis zufrieden. «Ich habe mir einen guten zweiten Platz erhofft und bin froh, dass ich diesen erreicht habe», sagt Vincenz-Stauffacher nach der Wahl. Ob sie für einen zweiten Wahlgang kandidiert, lässt sie offen. «Ich werde das mit meiner Familie und meiner Parteileitung besprechen.» Auch Vincenz geht davon aus, dass sie parteiübergreifend Stimmen gewonnen hat.

Jetzt geniesst sie erst einmal die etwas weniger stressige Zeit. «Wir stossen an, dann lassen wir den Tag ausklingen, ich werde sicherlich sehr müde sein heute Abend.» Es seien aufreibende Monate gewesen.

So sieht das Ergebnis des ersten Wahlgangs aus:

Enttäuschung bei den Grünen

Fast der einzige, der nach der Veröffentlichung der Resultate nicht lachen kann, ist der Grüne Patrick Ziltener. «Mit dem Ergebnis auf dem Land bin ich nicht zufrieden, da müssen wir mehr machen. In der Stadt St.Gallen war das Resultat aber gut.» Dort hat Ziltener mehr als 17 Prozent der Stimmen geholt. Trotzdem kommt er gesamthaft nur auf 8236 Stimmen. «Die Leute kennen mich nicht gut genug», so Ziltener. Ob er nochmals antritt, wird er nun mit seiner Partei klären.

Zweiter Wahlgang ist zu erwarten

Auch SVP- Kandidat Mike Egger mit 18’947 Stimmen ist mit dem Ergebnis zufrieden. Er hat im Interview mit FM1Today angekündigt, dass er im zweiten Wahlgang nochmals mehr Wählerinnen und Wähler gewinnen möchte. «Ich sehe das wie bei einem Marathon. Jetzt sind die erste Kilometer durch, die entscheidenden kommen aber noch.»

Die Parteilose Sarah Jyoti Bösch ist ebenfalls guten Mutes. Sie hat die meisten Stimmen unter den Parteilosen geholt, ist mit 2693 Stimmen aber doch deutlich abgeschlagen. Trotzdem will sie eine Kandidatur für den zweiten Wahlgang nicht ausschliessen. «Ich werde das nochmals genau mit meinen Leuten anschauen, aber ziemlich sicher kann man dieses Jahr noch mit mir rechnen.» Ob Bösch damit den zweiten Wahlgang oder doch eher die nationalen Wahlen im Herbst meint, lässt sie offen.

Würde sich nur ein Kandidat oder nur eine Kandidatin für den zweiten Wahlgang anmelden, käme es zu einer stillen Wahl und der- oder diejenige wäre automatisch gewählt. Melden sich mindestens zwei Kandidaten, die weiter in den Ständerat möchten, kommt es zum zweiten Wahlgang. Die Eingabefrist für den zweiten Wahlgang ist am 18. März, der zweite Wahlgang findet am 19. Mai statt.

Nur ein halbes Jahr bis zur Wiederwahl

Der neue St.Galler Ständerat wird allerdings nur für ein halbes Jahr gewählt, da er für die neu gewählte Bundesrätin Karin Keller-Sutter aufrückt. Im Herbst werden der gesamte Ständerat und auch der Nationalrat neu gewählt. Dann müssen auch der bisherige St.Galler Ständerat Paul Rechsteiner (SP) und der oder die im Mai neu hinzukommende Ständerat oder Ständerätin ihre Plätze im St.Galler Stöckli verteidigen.


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