Frankreich nach 20 Jahren wieder Weltmeister

Die Franzosen freuen sich über ihren zweiten Weltmeister-Titel nach 1998.
Die Franzosen freuen sich über ihren zweiten Weltmeister-Titel nach 1998. © Keystone/AP/Martin Meissner
Frankreich ist zum zweiten Mal nach 1998 Weltmeister. Die vom damaligen Captain Didier Deschamps trainierten «Les Bleus» besiegten in einem spektakulären Final im Luschniki-Stadion in Moskau den Final-Debütanten Kroatien 4:2.

Sie versuchten noch einmal alles, drängten die Franzosen in die Defensive und suchten wenn immer möglich den Weg zum Tor. Doch die Präzision und die Wucht fehlten in den Schlussminuten im kroatischen Spiel, um Frankreich noch einmal in Bedrängnis zu bringen. Der Final-Debütant mit dem starken Ivan Rakitic hatte einen heroischen Kampf geliefert, doch eine neuerliche Wende wie in den K.o.-Runden zuvor gelang ihm nicht mehr. So blieb auch der Fehler von Frankreichs Keeper Hugo Lloris ohne Folgen. Dieser hatte in der 69. Minute nach einem Rückpass im Fünfmeterraum ohne Not Mario Mandzukic angeschossen, womit die bereits geschlagenen Kroaten dank dem Anschlusstreffer zum 2:4 zumindest noch einmal Hoffnung schöpfen konnten.

Doch die letzten Energie-Reserven waren bei den Kroaten aufgebraucht. In allen K.o.-Spielen hatten sie einen Rückstand aufgeholt, auf dem Weg in den Final setzten sie sich jeweils erst nach Verlängerung oder im Penaltyschiessen durch. Und auch im Final kehrten sie nach dem ersten Rückschlag durch das Eigentor von Mario Mandzukic (18.) noch einmal zurück. Doch nach dem Doppelschlag von Paul Pogba (59.) und Kylian Mbappé (65.) zum 3:1 und 4:1 reichten die Kräfte zur neuerlichen Wende nicht mehr.

Diskussionen um Treffer

Bereits die erste Halbzeit hatte Spektakel geboten – und zwei Treffer, die zumindest zu Diskussionen Anlass gaben. Beim Foul von Marcelo Brozovic an Antoine Griezmann, das zum Freistoss vor dem 1:0 führte, liess sich der Franzose gar einfach fallen. Und nachdem Ivan Perisic zehn Minuten später mit seinem dritten Turniertor verdient ausgeglichen hatte, sprang diesem Perisic der Ball nach einem Corner von Griezmann an die Hand, die nicht am Körper angelegt war. Schiedsrichter Nestor Pitana ahndete die Aktion zuerst nicht, zeigte nach dem Einschreiten des Videoschiedsrichters und der Konsultation der TV-Bilder aber auf den Penaltypunkt. Griezmann liess sich nicht zweimal bitten und schoss seinen vierten Treffer an diesem Turnier, den dritten vom Penaltypunkt (38.).

Kroatien war, so lange die Kräfte reichten, die aktivere Mannschaft im torreichsten WM-Final seit 1966. Der Final-Debütant nahm von Beginn an das Zepter in die Hand, setzte die französische Defensive mit Pressing unter Druck und erspielte sich deutlich mehr Offensivszenen. Der eine Treffer durch Perisic war aber der zu geringe Lohn für die beherzte Leistung des Aussenseiters in der ersten Stunde. Insgesamt verzeichneten die Kroaten am Ende fast doppelt so viele Torschüsse (15:8) und auch deutlich mehr Ballbesitz (61:39 Prozent) als der Gegner.

Herausragende Individualisten

Nichtsdestotrotz war der Sieg der Franzosen verdient. Zwar wichen sie auch im Final von ihrem pragmatischen und selten spektakulären Stil nicht ab, mit Griezmann, Mbappé und dem starken Pogba verfügten sie aber über die herausragenden Individualisten, auch wenn Kroatiens Luka Modric zum besten Spieler der Turniers gewählt wurde. Auch Trainer Didier Deschamps trug mit einer Personalrochade seinen entscheidenden Anteil zum französischen Sieg bei. Nach 54 Minuten nahm er den während des Turniers so starken N’Golo Kanté vom Platz, der einen schwachen Tag erwischte und mit ein Grund war, warum Kroatien lange ein Übergewicht im Mittelfeld hatte. Vier Minuten nach der Hereinnahme von Steven Nzonzi traf Pogba zum 3:1.

20 Jahre nachdem Deschamps als Captain Frankreich im eigenen Land zum ersten WM-Titel geführt hatte, schaffte er dies vor den Augen diverser Teamkollegen von damals und Staatspräsident Emmanuel Macron auch als Trainer. Er ist erst der Dritte nach dem Brasilianer Mario Zagallo und dem Deutschen Franz Beckenbauer, dem dies gelungen ist.

(SDA)


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