Heiligen-Geschichten wirken noch immer

Die Geschichte des Römer Martin wird auch heute noch oft erzählt.
Die Geschichte des Römer Martin wird auch heute noch oft erzählt. © iStock
Obwohl viele Leute unserer Gesellschaft ihren Glauben nicht mehr aktiv praktizieren, halten sich die Legenden um Heilige wie Sankt Martin. FM1-Pfarrerin Charlotte Küng erklärt warum.

Geschichten aus dem christlichen Glauben sind wichtig, um gegen die Polarisierung der Gesellschaft vorzugehen. Dieser Meinung ist FM1-Pfarrerin Charlotte Küng. «Ich glaube, eine Gesellschaft braucht etwas, das kulturell verbindet», sagt Küng.

Mit Heiligen gegen die Polarisierung

Am besten funktioniere dies mit Themen, zu denen alle irgendwie einen Bezug haben. Die Polarisierung unserer Gesellschaft nimmt stetig zu. «Dies ist auf ein sehr individualisiertes Leben zurück zu führen. Deshalb ist es wichtig, dass man Gemeinsamkeiten schafft», so die Pfarrerin. Zum Beispiel eben mit dieser Geschichte über Sankt Martin.

Nach der Legende hat der römische Soldat Martin vielen bedürftigen Menschen geholfen – auch einem frierenden Bettler. Für ihn hat Martin seinen Mantel zerschnitten und dem Bettler die eine Hälfte davon geschenkt.

Komödiant verwendet die Geschichte für aktuelle Probleme

Dessen Meinung ist auch der deutsche Stand-up-Künstler Moritz Neumeier. Er verwendet die Geschichte, um die grossen Themen unserer Zeit in einer verständlichen Sprache zu vermitteln. In seiner Version der Sankt Martins-Geschichte zeigt sich der Bettler nicht so dankbar. Er hätte gerne einen ganzen Mantel gehabt anstatt nur die eine Hälfte.

Ausserdem hätte er noch gerne die eine Hälfte von Martins Pferd. Dieser entgegnet ihm mit Entrüstung und meint, er könne ja mit einem halben Pferd nicht mehr nach Hause reiten. «Ja», sagt der Bettler, «aber dann hätte ich wenigstens etwas zu essen». Bei der FM1-Pfarrerin löst Neumeier so viel mehr Betroffenheit aus. Auch der Bezug zur heutigen Zeit sei so gegeben.

Mit Witz und Wort gegen die Angst vor dem Tod

Der Kabarettist Simon Chen setzt ebenfalls auf religiöse Geschichten, um auf dringliche Themen hinzuweisen. In seinem Programm «Meine Rede» hat er eine Abdankungsrede gehalten. Es geht um den verstorbenen Melchior, der viel zu viel arbeitete und ausgebrannt gewesen sei.

Deshalb werde auf eine Kremation verzichtet. «Wortspiele wie diese regen zum Nachdenken an», sagt Charlotte Küng. Mit seinem Humor gelinge es Chen aber auch, dass die Menschen den Tod nicht zu nahe an sich ran lassen.

(nm)


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